Reike meyer knallt mit tirade auf rwe-betriebsversammlung die tür zu
Reike Meyer war keine 15 Minuten auf dem Stuhl, da sprudelte es schon aus ihm heraus. „Ich trete sofort zurück.“ Mit diesen fünf Worten schleuderte der Aufsichtsrat des FC Rot-Weiß Erfurt am Dienstagabend seine Kündigung in die Runde – und ließ die restlichen Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums im Saal zurück, als hätte jemand die Luft aus dem Ball gelassen.
Der brief, der alles zum platzen bringt
Was folgte, war kein beiläufiger Abgang, sondern ein handfettes Arbeitsgerichts-Drama auf offener Bühne. Meyer kündigte nicht nur, er erklärte warum – und das in einem bis in die Details zerrissenen Schreiben, das dem kicker vorliegt. Steffen Knäbe, sechs Jahre Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung, musste gehen. Frank Tanne, Pädagogischer Leiter, ebenfalls raus. Keine offizielle Begründung, keine Transparenz, keine Nachvollziehbarkeit. Für Meyer ein rotes Tuch: „Der Umgang mit den Mitgliedern und Beschäftigten, die durch ihre Loyalität den Verein in der Insolvenz über Wasser gehalten haben, ist für mich nicht länger tragbar.“
Die Betriebsversammlung war eigentlich dafür gedacht, das neue DFB-Zertifizierungskonzept zu erläutern. Stattdessen entwickelte sich daraus eine Schlammschlacht, in der sich die Führungsetage selbst demontierte. Die geplanten Strukturveränderungen im NLZ – zwei neue Vollzeitstellen für Sport und Organisation – machten Tanne überflüssig. Laut verbliebenem Aufsichtsrat Rolf Hildebrandt sei das „sehr eng an den DFB-Vorgaben“ orientiert. Klingt nach Effizienz, wirkt aber wie ein Sanierungsprogramm ohne Herz.
Meyer sieht das anders. Für ihn steckt hinter den „Synergie-Effekten“ einzig ein Sparkurs, der Menschen auf dem Gewissen hat. „Die finanziellen Auswirkungen sind weder transparent noch nachvollziehbar“, schreibt er. Und genau das verhindere eine verantwortungsvolle Aufsichtsratsarbeit. Also legt er das Amt nieder – mit sofortiger Wirkung, mit lautem Knall, mit offenem Visier.

Rwe verliert mehr als nur einen kontrolleur
Mit Meyer verabschiedet sich nicht nur ein kritischer Beobachter, sondern auch ein Stimme, die die vergangene Insolvenz mit durchgestanden hat. Seine Abgangstirade ist ein Alarmsignal: Selbst interne Außenseiter zweifeln die Kompetenz der aktuellen Führung an. Und das, während der Klub in der Regionalliga Nordost ohnehin schon mit riesigen Brillen auf den Beinen steht.
Die Konsequenz: RWE steht vor einem Machtvakuum. Ein Aufsichtsrat weniger, zwei Leitungspositionen im NLZ frei, Vertrauen auf Talfahrt. Die DFB-Zertifizierung mag formell gesichert sein, doch die Glaubwürdigkeit des Vereins ist angeknackst. Wenn selbst die Retter von einst den Club verlassen, bleibt nur die Frage, wer in Erfurt künftig noch bereit ist, für Rot-Weiß die Hand ins Feuer zu legen.
Meyer hat die Antwort bereits geliefert – und die Tür zugeschlagen. Knall.
