Reichel schlägt ein wie eine bombe: deutscher erlöst boston im ersten einsatz

Lukas Reichel brauchte keine fünf Minuten, um die TD Garden in Ekstase zu versetzen. Mit seinem Tor zum 2:0 in der achten Minute zerlegte der 22-Jährige nicht nur Winnipeg-Jets-Torwart Connor Hellebuyck, sondern auch alle Zweifel an seinem Wechsel vom kanadischen Play-off-Hoffnungsträger zum heißen Eastern-Conference-Kandidaten. 6:1 lautete das Endergebnis – und plötzlich steht Boston wieder da, wo es hingehört: auf den Wildcard-Rängen.

Die Szene war klassisch Bruins: Forecheck, Puckgewinn, schneller Wechsel. Reichel nahm den Abpraller aus spitzem Winkel, zog direkt ab und traf flach die Schoner-Kante. Hellebuyck sah den Schuss spät, konnte den Haken nicht mehr runterbekommen. Jubel, 17.565 Stimmen brüllten den Nachnamen, der in Boston so klang, als hätten sie ihn jahrelang geübt.

Marco sturm setzt vertrauen sofort belohnt

Chefcoach Marco Sturm hatte Reichel sofort auf die zweite Reihe neben Pavel Zacha und Jake DeBrusk gesetzt – kein Geschenk, sondern eine klare Erwartungshaltung. Der Deutsche lieferte: 14:23 Minuten Eiszeit, vier Torschüsse, ein Plus/Minus von +3. Dazu der Assist zum 4:0, als er hinter dem Tor die Scheibe per Hinterhand rausklaubte und Zacha bediente. „Ich kenne die Liga, ich kenne die Geschwindigkeit“, sagte Reichel nach dem Spiel, die Stimme noch leicht heiser vom Dauerjubel. „Aber das hier ist ein anderes Level. Die Jungs spielen so viel direkter, so viel körperbetonter. Und das Publikum? Es pfeift dich nicht mehr, es schubst dich nach vorne.“

Die Bruins haben nun vier Siege in Folge, die letzte Niederlage datiert vom 12. März. Mit 82 Punkten halten sie gemeinsam mit Detroit die Wildcard-Plätze – und haben zwei Partien in der Hinterhand auf die idle New York Islanders. Die Red Wings selbst beendeten ihre kleine Krise: Moritz Seider assistierte beim 3:1 gegen Montreal, die Pleitenserie ist gerissen. Für Detroit geht es am Freitag nach Buffalo, Boston empfängt Nashville.

Draisaitl-ausfall wirft oilers zurück – sturm trifft umsonst

Draisaitl-ausfall wirft oilers zurück – sturm trifft umsonst

Während Reichel feierte, stand bei anderen Deutschen die Ampel auf Rot. Leon Draisaitl wird nach einer unterkühlten Adduktorenverletzung voraussichtlich bis zum Play-off-Start ausfallen, Edmonton kassierte ohne ihn eine 0:4-Klatsche gegen Florida. Die Oilers rutschen auf Rang sechs im Westen, die Wildcard ist noch nicht gebucht. „Wir müssen jetzt jeden Tag wie ein Game Seven angehen“, sagte Interimskapitän Connor McDavid, der mit 38 Minuten Eiszeit fast die komplette Partiemit gestaltete – vergeblich.

Nico Sturm erzielte in der dritten Periode den Anschlusstreffen für Minnesota, doch Chicago konterte 17 Sekunden später. Die Wild bleiben trotz der vierten Niederlage in fünf Spielen auf Platz drei der Central Division, doch der Vorsprung auf Nashville schrumpft auf vier Punkte. „Wir haben 13 Spiele, um die Scharte auszuwetzen“, sagte Sturm. „Und wir haben die Tabelle selbst in der Hand.“

Für Lukas Reichel ist die Welt dagegen wieder in Ordnung. Nach dem enttäuschenden Abstecher nach Vancouver, wo er zwischen AHL und NHL pendelte, hat er sein Ziel gefunden. „Ich will kein Sprungbrett sein, ich will Teil der Lösung sein“, sagte er vor der Kabine, während die Teamkollegen schon die nächsten Play-off-Szenarien durchrechneten. Die Bruins haben ihren deutschen Turbo – und der Deutsche endlich wieder ein Zuhause. Die Postseason rückt näher, Boston atmet durch. Und Reichel? Der kann endlich wieder durchatmen.