Regen zerreißt motogp-bahn: sprint steht auf der kippe
Goianias frisch sanierte Start-Ziel-Gerade ist kein Asphalt mehr – sie ist ein offener Mund. Ein Sinkloch klafft quer über die Ideallinie, nachdem das Autódromo Ayrton Senna seit Dienstag unter Wasser stand. Baukräne statt Boxenfunken: Die Moto2- und Moto3-Qualifyings bleiben auf Eis, der für 19.00 Uhr MEZ geplante MotoGP-Sprint rückt in weite Ferne.
Die bilder, die die fim nicht wollte
Social-Media-Clips zeigen, wie Baggerfahrer rechtwinklige Asphaltplatten herausschneiden – so sauber, als würde ein Chirurg ein Rennen herausoperieren. Die Frage lautet nicht mehr, ob die Strecke rechtzeitig fertig wird, sondern: Wie tief ist das Loch? Und wie viel Regen kann der neue Belag aushalten, bevor er wieder wegspült? Die Antwort lieferte der Himmel prompt: Kurz nach 17.00 Uhr Ortszeit goss es erneut in Sturzbächen.
Brasilien feiert sein Comeback in der Motorrad-WM nach 21 Jahren – und schon droht das Debakel. 1989 war Goiania letztmals Gastgeber, damals noch auf provisorischer Rundstrecke. Nun steckte die FIM Millionen in Drainagen, doch das Wasser sucht sich neue Wege. Die Strecke glich am Dienstag einem Schlammfluss, heute einem Puzzle, dessen letztes Stück fehlt.

Sky wartet, teams rechnen
Live-Übertragungspläne hängen an einer Asphaltmischung. Sky Deutschland signalisiert Bereitschaft, die Sendezeit zu verlängern – aber nur, wenn spätestens 90 Minuten vor Sprintstart klar ist: Rennen ja oder nein. In den Lkw-Kühlräumen kreisen schon die ersten Excel-Tabellen: Wann müssten Reifenwärmer neu angeschlossen werden? Wie viele Extra-Mechaniker fallen Überstunden an?
Die FIM spricht von „enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Promoter“. Die ungeschriebene Wahrheit: Beide Seiten schieben sich die Schuld zu. Die Promoter wollten die Rennstrecke nicht komplett neu asphaltieren, um Kosten zu sparen. Die FIM genehmigte trotz Warnungen des Bauamts. Nun stehen alle Beteiligter vor einem Scherbenhaufen – und vor laufenden Kameras.

Was passiert, wenn das loch wider erwarten doch verschwindet?
Die Safety Commission wird eine Probefahrt mit Bikes der Safety-Car-Flotte verlangen, gefolgt von einem 15-minütigen Freien Training für alle Klassen. Erst dann entscheidet Race Direction über Startfreigabe. Die Fahrer sind zwiegespalten: Alex Márquez twitterte „Safety first“, während Jack Miller knurrte: „Regenrennen gehört zur DNA von MotoGP – nur ohne Asphalt wird’s schwierig.“
Die Uhr tickt. In zwölf Stunden müssen die ersten TV-Übertragungswagen wieder rollen, sonst platzt der Zeitplan der Weltmeisterschaft. Und Brasilien? Es riskiert, nach gerade einmal einem Rennwochenende wieder vom Kalender zu verschwinden. Die Rechnung für den versiegelten Asphalt: 1,2 Millionen Euro. Der Preis für ein zweites Brasilien-Desaster: unbezahlbar.
Update 21.45 Uhr MEZ: Die Arbeiter haben die letzte Fuge geschlossen, doch der neue Asphalt glänzt wie frisch gegossenes Karamell. Wetter-Radar zeigt erneut kräftige Schauer auf dem Weg nach Goiania. Die Entscheidung fällt morgen früh – und sie fällt hart.
