Red bull schlägt schon in slowenien zu – pithie gewinnt, lipowitz wartet

Laurence Pithie jagt sich im Regenbogen-Trikot der U23-Weltmeister über die Zielgerade in Ptuj und verpasst den Konkurrenten eine Lektion in Sachen Timing. 141,3 Kilometer, eine blitzsaubere Lead-out-Show der Red-Bull-Kollegen – und Florian Lipowitz darf von der ersten Reihe aus zuschauen. Platz 32, kein Sekundenkampf, trotzdem ein Grund zum Jubeln: Das Team fährt auf Bestellung, und die Tour-Generalprobe läuft nach Plan.

Pithie nutzt die macht des zuges

Die Slowenien-Rundfahrt gilt als kleiner Bruder der Adriatica-Ionica, aber wer an diesem Mittwoch dachte, die WorldTour-Stars würden das Rennen dominieren, sah sich getäuscht. Mit nur zwei Top-Teams am Start ist die Balance klar: Red Bull-Bora-hansgrohe gegen den Rest des Feldes. Im Finale zogen Neilson Powless und Marco Haller das Tempo auf strammen 65 km/h hoch, Pithie schlängelte sich mit weniger als 50 Metern Vorsprung an der Bande vorbei. „Die Jungs haben einfach Gas gegeben, bis die Beine brannten“, sagt der 22-Jährige später, die Stimme rau vom Sauerstoffmangel.

Hinter ihm zerbrach der Sprint – Tim Merlier kam zu spät, Arnaud De Lie verlor den Schwung im Windschatten. Pithie trägt nun das Rotes Trikot der Gesamtführung, punktet dabei aber nur nebenbei: Sein Auftrag lautet, Etappen zu gewinnen, nicht Rennen.

Lipowitz spart kraft für die berge

Lipowitz spart kraft für die berge

Für Florian Lipowitz kommt die echte Prüfung erst am Freitag. Die ersten beiden Tage sind schnell, aber flach – perfekt für Sprinter, nicht für Kletterer. Der Ulmer hält sich im Feld der 32 Führenden, verzichtet auf Risiko. „Ich will hier in die Beine bekommen, nicht in die Presse“, erklärt er nach der Etappe knapp. Das klingt nüchtern, ist aber eine Kampfansage: Die ersten längeren Anstiege ab Etappe drei passen ins Profil des Tour-Dritten von 2025. Dort wird er zeigen müssen, ob die Formkurve wirklich steil nach oben zeigt.

Statistik als Warnung: Erst einmal gewann ein Deutscher diese Rundfahrt – Tobias Steinhauser 1994. Sein Sohn Georg beobachtet diesmal aus der Ferne, hat Paris-Nizza im Visier. Vater und Sohn als Fußnote, Lipowitz möchte Geschichte schreiben.

Donnerstag testet die beine

Donnerstag testet die beine

181,8 Kilometer von Radlje ob Dravi nach Ormož, zwei kleine Bergwertungen, aber keine entscheidenden Gipfel. Das Rennen bleibt heiß, aber nicht explosiv. Für Lipowitz geht es darum, die Gruppe der Favoriten zusammenzuhalten, keine Sekunden zu verschenken und den Montag in der Normandie vor Augen zu behalten.

Red Bull hat noch ein Ass im Ärmel: Powless gilt als sekundenschnell im Uphill-Sprint, könnte Lipowitz als letztes Zugpferd dienen. Die Frage ist nicht, ob der Deutsche angreift, sondern wann. Die Antwort kommt in Slowenien – und danach auf den steilen Straßen nach Megève.

Pithie freut sich über das Rote Trikot, Lipowitz über die Ruhe. In drei Wochen zählt nur noch Gelb.