Real madrids u19 jagt in lausanne den youth-league-titel – ohne seinen motor
Morgen um 18.45 Uhr schlägt das Herz der Madrider Jugendabteilung im Stade de la Tuilière. Der Juvenil A des Real Madrid startet gegen Paris Saint-Germain in die Final Four der Youth League – und das auf Kunstrasen, mit 25 Reisenden, aber nur 20 Plätzen auf dem Spielberichtsbogen und ohne seinen Mittelfelsen Roberto Martín.
Die letzte sekunde riss den defensivchef weg
Martín, Stammkraft und emotionaler Anführer, fehlt nach einer Blessur mit der dritten Mannschaft. „Er hätte sich am liebsten auf Krücken in den Flieger geschleppt“, sagt Trainer Álvaro López. Stattdessen schaltet der 19-Jährige von Madrid aus den Livestream ein und wird zum zwölften Mann auf der Tribüne. Für López ist der Ausfall kein Weltuntergang: „Wir sind eine Familie. Jemand springt ein und zieht dieselbe Energie rein.“
Die Truppe kam am Morgen an, absolvierte noch am selben Nachmittag ein Flutlicht-Training auf dem kunstoffbepflasterten Terrain. Kritik am Belag? Fehlanzeige. „Die Jungs kennen Kunstrasen aus den Jugendturnieren, sie wachsen praktisch damit auf“, so López. Die UEFA hatte zudem einen VAR-Crashkurs verordnet – schließlich entschied erst ein Videobeweis die Achtelfinal-Pleite des Profis gegen Bayern, als Camavinga Rot sah. Die Kids sollen cooler reagieren.

Rauls geist schwebt über dem see von genf
Kein Madrilene U19-Coach kann sich dem Vergleich mit Raul entziehen – dem einzigen Klublegendär, der diese Trophäe bereits als Trainer gewann. López lacht kurz auf: „Als Spieler bin ich Lichtjahre entfernt. Als Coach versuche ich, seine Ruhe zu kopieren.“ Raul sitzt nicht im Stadion, aber die WhatsApp-Nachricht mit der Aufstellung wird vor dem Anpfiff sicher landen.
Die Zahlen sprechen für das weiße Ballett: zwölf Siege in 14 Youth-League-Partien, 36:9 Tore. Doch PSG lieferte sich mit Manchester City ein Torfestival und besitzt mit Ismail Gharbi einen Mittelfeld-Zauberer, der schon Ligue-1-Minuten sammelte. Die Pariser kamen mit demselben Flieger wie Real – nur zwei Reihen weiter hinten. Die Stimmung im Flugzeug? „Wie in einem Schulbus vor dem Klassenausflug“, berichtet ein UEFA-Beobachter.
Die 20 Nominierten schlafen heute im Teamhotel direkt am Ufer des Genfer Sees. Kein Ausgehverbot, aber Handys werden um 23 Uhr eingesammelt. „Wir wollen, dass sie morgen hungrig auflaufen – nicht müde von TikTok“, sagt López. Die Uhr tickt. In 22 Stunden entscheidet sich, ob das Real Madrid seiner Jugend wieder einen Platz auf dem europäischen Thron erobert oder ob Paris das Kunstrasen-Märchen schon im Halbfinale beendet.
