Rapid wien schlägt zurück: drei siege, ein traum – und jetzt sturm graz im visier

Rapid Wien spielt sich in Rage. Nach dem 4:2 gegen den LASK hat der Traditionsklub drei Pflichtspielsiege in Serie und atmet im Meisterkampf durch. Die Tabellenführung von Sturm Graz ist nur noch einen Punkt entfernt – und plötzlich redet niemand mehr vom „Umbruch“, sondern vom Titel.

Früher rücktritt? fehlanzeige – rapid beantwortet schock mit macht

30 Sekunden war gespielt, da klingelte es schon im Rapid-Gehäuse. Serge-Philippe Raux-Yao legte Samuel Adeniran den Ball perfekt auf – 0:1. Die Allianz-Stadt zog kurz die Luft ein, doch die Antwort folgte auf dem Fuß. Jakob Schöller köpfte nach Ecke drei Minuten später zum 1:1 aus und begründete später trocken: „Wir haben einen extremen Fokus im Training auf Standardsituationen.“ Standards hatten Rapid schon fast den Saisonstart gekostet, jetzt kehren sie als Erfolgsgarant zurück.

Bendeguz Bolla verwandelte einen Strafstoß (22.) und schraubte das Ergebnis per Konter auf 3:1 (33.). Die Hereingabe dazu lieferte Jannes Horn – ein Traumpass, den selbst Bundesliga-Oldies noch in den Highlightkanälen studieren. Horn, mittlerweile Leistungsträger und Kommunikationsanker in der Defensive, erklärt die Wandlung so: „Wenn es aufgeht am Platz, merkst du, es hat Hand und Fuß, was der Trainer einfordert.“ Kein Glück, sondern harte Arbeit – das sei das Credo von Chefcoach Johannes Hoff Thorup.

Thorup lächelt – doch die pause spaltet das lager

Thorup lächelt – doch die pause spaltet das lager

Der Däne lobte seine Mannschaft nach Spielschluss für die „besten 20, 30 Minuten“ unter seiner Regie. Er selbst habe die Länderspielpause gern, um angeschlagene Akteure wie Schöller, der erneut Oberschenkelprobleme hatte, zu schonen. Horn dagegen würde am liebsten morgen weitermachen: „Wir sind im Flow, du willst jeden Tag ran.“ Die Meinung spaltet das Team – nicht zum ersten Mal diese Saison.

Die Zahlen sprechen für sich: Sechs Doppelpacks in den letzten fünf Partien, 10 Punkte aus der Meistergruppe, nur ein Gegentor aus dem Spiel heraus. Und ein Blick auf den Kalender verrät: Am 5. April gastiert Sturm Graz in Hütteldorf. Dann kann Rapid die Führung übernehmen – oder wieder weg sein. Thorup warnt vor Frühjahrseuphorie: „Wenn wir im Training nur ein Prozent nachlassen, ist die Titelträume aus.“

Für die Anhänger klingt das wie Musik. 2008 war das letzte Meisterfest, seither wurde viel investiert, oft gezankt und selten gefeiert. Jetzt stimmt die Chemie, die Bank ist lang, und der Glaube zurück. Schöller schickt noch eine Kampfansage hinterher: „Wir ruhen uns nicht aus. Wer denkt, die Pause sei Freizeit, kriegt Probleme mit dem Coach – und mit uns.“ Die nächsten Wochen entscheiden, ob Rapid Wien nur eine Phase erlebt oder eben doch eine Ära. Die Meisterschaft ist längst nicht mehr ein Traum – sie ist ein Plan.