Putin jubelt, athleten protestieren: russlands paralympics-comeback spaltet die sportwelt

Die weiß-blau-rote Flagge weht wieder über italienischen Schnee – und spaltet die Sportwelt in zwei Lager. Während Warwara Worontschichina nach Gold im Super-G die Hymne genießt, drehen sich Linn Kazmaier und ihr Guide demonstrativ weg. Die Paralympics 2026 sind zur Polit-Bühne verkommen.

Moskau feiert, charkiw weint

Sportminister Mikhail Degtyaryov schickt sich direkt ins Fernsehen, um den Triumph zu zelebrieren. „Endlich klingt unsere Hymne wieder“, jubelt er, während in der Ukraine am selben Tag Drohnen einschlagen. Wladimir Putin gratuliert persönlich – und macht aus Sport Staatspropaganda. Die IPC-Entscheidung, Russland wieder unter eigener Flagge starten zu lassen, wirft Schatten auf jedes Podest.

Die Ukrainerin Oksana Schischkowa kann es nicht fassen. Ihr Bruder verlor ein Bein an der Front, nun muss sie im selben Rennen wie Anastasiia Bagiian starten. „In der Ukraine sterben Menschen, und wir sollen Smalltalk machen? Das ist pervers“, sagt sie mit zitternder Stimme. Ihre Teamkollegin Romana Lobaschewa verpasst das Finale – und vermeidet so ein gemeinsames Foto mit der Russin.

Der protest wird lauter

Der protest wird lauter

Bei der Siegerehrung tragen Kazmaier und Baumann demonstrativ ihre Mützen. Kein Selfie, kein Händedruck. „Menschlich gönne ich es ihnen. Politisch ist es unerträglich“, sagt die Deutsche. Ihre Geste ist kein Einzelfall: Das ukrainische Komitee boykottierte die Eröffnung, Deutschland folgte. Die Sportler werden zu Geiseln eines Krieges, den sie nicht wollen.

Die IPC beharrt auf der Trennung von Politik und Sport. Doch die Realität sieht anders aus: Jedes Mal, wenn die russische Hymne ertönt, erinnert das die Welt an Bombardements und Besatzung. Die Paralympics 2026 sind kein Fest der Überwindung mehr – sie sind ein Spiegelbild einer zerrissenen Welt. Und die Athleten stehen im Mittelpunkt, ohne je nach Macht zu fragen.