Punkteminus für löwen: anti-doping-formular kostet sieg

Ein Sieg mit Geschmack von Niederlage: Die Rhein-Neckar Löwen müssen ihren 32:30-Erfolg gegen TBV Lemgo Lippe annullieren lassen, weil auf dem Spielberichtsbogen ein unterschriebenes Anti-Doping-Dokument fehlte. Die HBL wertet die Partie nachträglich mit 0:2 und 0:0 Toren für die Löwen – ein Einschlag, der die Meisterschaftsplanung durcheinanderwirbelt.

17 Sekunden aufmerksamkeit reichen nicht

Adam Jozsa (17) stand 17 Sekunden auf dem Feld – doch genau diese Minuten reichen, um den formellen Stempel „spielberechtigt“ zu verlieren. Hintergrund: Seit 1. Januar 2026 muss jeder Lizenzspieler eine Anti-Doping-Schiedsvereinbarung vorliegen haben. Die Löwen vergaßen die Vorlage, die HBL zog die Reißleine. Geschäftsführer Holger Bachert kündigt Einspruch innerhalb der dreitägigen Frist an, doch die Punkte sind bis zur Entscheidung des DHB-Bundessportgerichtes komplett blockiert.

Die Liga begründet die Härte mit Gleichbehandlung: „Alle Lizenznehmer wurden ausdrücklich hingewiesen“, heißt es in der Mitteilung. Der Vorfall erinnert an den TV Hüttenberg in der 2. Bundesliga, der ebenfalls wegen fehlender Doping-Papiere nachträglich einen Sieg abgeben musste. Dort profitierte Essen – nun könnte Lemgo Lippe der glückliche Profiteur werden.

Die tabellenfrage: wer zieht den kopf ein?

Die tabellenfrage: wer zieht den kopf ein?

Mit 20:4 Punkten führen die Löwen die Tabelle weiter an, doch der Rückstand auf Verfolger Flensburg schrumpft theoretisch auf zwei Zähler. Sollte das Gericht die HBL-Entscheidung bestätigen, würde Lemgo Lippe auf 13:11 Punkte springen und Platz fünf übernehmen. Die Saison ist jung, aber jedes abgegebene Spiel kann im Mai über Meister oder Champions-League-Platz entscheiden.

Der Verein schweigt bis auf die knappe Pressemitteilung. Kein Trainingstermin, kein Interview, kein Schuldeingeständnis. Dabei wäre ein offenes Wort goldrichtig: Denn der Imageschaden wägt schwerer als ein verlorener Punkt. Sponsoren fragen nach Compliance, Fans nach Glaubwürdigkeit, Konkurrenten nach Gleichstand. Die Löwen haben 72 Stunden, um ihre Argumente zusammenzutragen – und den Rest der Saison, um zu beweisen, dass 17 Sekunden kein Systemfehler sind.