Preußen 07 schmiedet pokal-plan gegen cottbus: „wir grillen keine bratwurst, wir wollen gewinnen“
2.000 Zuschauer, ein Sechstligist mit Klassenerhaltssorgen und ein Drittligist mit Aufstiegsambitionen – das Landespokal-Halbfinale Brandenburg ist am Samstag ein Lehrstück darüber, warum der Pokal Fußball-Fans noch lieben.
BSC Preußen 07 aus Blankenfelde-Mahlow empfängt um 15 Uhr Energie Cottbus. Der Klub steht in der Liga auf Rang 14 von 16, doch seit Wochen schon zählt nur noch ein Spiel. „Der Pokal schiebt alles beiseite“, sagt Trainer Mirko Schult. Er sagt das, während hinter ihm auf dem Trainingsplatz die Kamera-Kabel der rbb-Equipe über den Rasen glitchen – der Sender überträgt live ab 14.55 Uhr.
David nieland: vom profi-amateur zur tor-maschine
Der 26-Jährige war einst Wolfsburger Jugend, schaffte den Sprung in die 2. Mannschaft des SC Freiburg, dann folgten Verletzungen und die Erkenntnis: „Ich hatte keinen Bock mehr auf Fußball.“ Die Rückkehr nach Blankenfelde-Mahlow war keine Demütigung, sondern Rettung. „Hier kenne ich jeden, hier trinken wir nach dem Training ein Bier – das gab’s vorher nicht.“
Die Bilanz dieser Heimkehr: 24 Treffer in 18 Partien. Keiner in der Brandenburg-Liga kommt auch nur annähernd an seine Quote heran. Gegen Cottbus will er nachlegen: „Ein Eins-gegen-eins gewinne ich immer. Standards bin ich brandgefährlich.“ Das klingt nicht nach Pokal-Märchen, sondern nach konkretem Plan.

Cottbus’ angst vor dem zweiten frühjahr-fiasko
Die Lausitzer warten seit drei Liga-Spielen auf einen Sieg, das Halbfinale des Vorjahrs verloren sie beim Viertligisten RSV Eintracht. Trainer Claus-Dieter Wollitz redet sich deshalb schon seit Tagen ein, „die Pokal-Partie sei genauso wichtig wie der Liga-Alltag“. Doch intern heißt es: Keine Experimente, keine Rotation. Die Mannschaft soll die Serie von vier sieglosen Partien nicht auf fünf ausbauen.
Für Preußen ist genau das die Chance. Schult hat in dieser Woche nichts dem Zufall überlassen: Zweimal Video-Analyse, einmal Elf-Meter-Schießen, einmal Standardsituationen bis zur Dunkelheit. „Wir wollen Cottbus Zeit nehmen“, sagt er. „Wenn sie den Ball nicht schnell umschalten können, werden sie unruhig.“

2.000 Tickets, ein dorf und der traum vom finale
Die 2.000 Karten sind restlos weg, das Vereinsheim bietet ab 11 Uhr Frühstück und Live-Musik an. Schult lacht: „Was soll ich sagen? Der ganze Ort klebt zusammen.“ Dabei bleibt er Realist: „Cottbus ist klarer Favorit, klar. Aber Favoriten haben in Brandenburg schon verloren.“
Die Zahl, die ihm Hoffnung macht: 38 Prozent. Genau so hoch ist die Erfolgsquote von Underdogs in diesem Wettbewerb, wenn sie zuhause spielen und mindestens einen Torschützen haben, der mehr als 20 Tore auf dem Konto hat. Nieland steht bei 24. „Statistik hin oder her“, sagt er, „am Ende zählt, wer hungriger ist.“
Der Pokal lügt nie – und am Samstag will Preußen 07 beweisen, dass er auch in Brandenburg die großen Namen friert. Anstoß 15 Uhr, wer’s nicht vor Ort sieht: rbb live. Danach steht entweder das erste Finale der Vereinsgeschichte oder eben das nächste Kapitel einer Pokal-Legende, die gerade erst beginnt.
