Preuß schmeißt die ski in die ecke und greift zum mikro: ihr erster tv-auftritt kommt heute
Franziska Preuß kann’s nicht lassen. Erst verabschiedet sich die 31-jährige Weltmeisterin mit einer Träne aus dem Weltcup, jetzt sitzt sie schon wieder im Schneegestöber – nur eben mit Klinken statt Klickbindungen. Ab 10.30 Uhr live in der ARD-Mediathek und auf sportschau.de gibt sie als Co-Kommentatorin beim Massenstart der Junioren am Großen Arber ihr TV-Debüt.
Warum der umstieg auf sendung genau jetzt perfekt kommt
Die ARD spielt ihr Ass aus: Nachdem David Zobel schon als Athleten-Experte glänzte, Arnd Peiffer trocken-bayerisch pointierte und Kati Wilhelm mit Olympic-Coolness auflöste, rückt nun Preuß nach. Sie reiht sich ein in eine Kommentatorenriege, die sich lesen will wie das Who-is-Who des deutschen Biathlons. Olympiastreiter Justus Strelow übernimmt die Staffeln am Wochenende – er muss wegen eines Bruchfingers auf Kontiolahti verzichten und nutzt die Zwangspause für die Leitung aus dem Studio. Neben ihm sitzt Benedikt Doll, der Ex-Weltmeister, der schon vor Jahren bewies, dass er auch hinterm Mikro trifft.
Preuß selbst wirkt gelassen, fast ein wenig neugierig auf die neue Seite des Sports. „Ich spüre, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist“, hatte sie nach ihrem letzten Rennen in Peking gesagt – und genau diesen Satz wiederholt sie heute, nur mit einem leichten Tonfall der Erleichterung. Die Nervosität vor dem ersten Live-Einsatz? „Vergleichbar mit der Startangst, nur dass das Herz schneller schlägt, weil man die Bilder nicht selbst steuern kann.“

Der deutsche nachwuchs liefert ihr stoff
Dabei liefert ihr die deutsche Talentschmiede Stoff satt. Hannes Lipfert, 17, schnappte sich im Jugend-Sprint Bronze – und schaffte es damit, die erste Medaille für das DSV-Team zu sichern. Seine Reaktion auf Instagram („Hab meine Medaille versehentlich geschrottet, aber dafür jetzt eine Story fürs Leben“) sorgte für Lacher und zeigt, wie locker der Nachwuchs mit Druck umgeht. Preuß kennt diese Balance zwischen Ernst und Selbstironie; sie wird sie heute brauchen, wenn die Junioren im Massenstart um Sekunden und Sendezeit kämpfen.
Die Zuschauer bekommen ein Experiment serviert: eine Aktive, die noch die Atemfrequenz der Athleten im Ohr hat, aber schon die Langsamkeit der Studiokamera spürt. Dazwischen liegt ein Spannungsfeld, das selten so offen ausgeleuchtet wird. Preuß muss live analysieren, warum sich ein Läufer verheddert, während sie selbst vor drei Monagen noch im Gleichschritt gestartet wäre.
ARD-Sportchef Jörg Nürnberger nennt das „Authentizität statt Altherrenrunde“. Tatsächlich: Wer sonst könnte besser erklären, warum der Schneebelag am Großen Arber heute morgen um 10.30 Uhr wie Puderzucker wirkt, aber nach dem dritten Schuss schon matschig wird? Preuß weiß es, weil sie’s selbst erlebt hat – und weil sie jetzt endlich zugucken darf, statt mitzukämpfen.
Die Uhr tickt. In wenigen Stunden wird Preuß nicht mehr die Athletin sein, die zweimal Olympia-Bronze und zwei WM-Titel gewann, sondern die Stimme, die diese Titel erklärt. Ein neues Kapitel – und wer die ARD-Mediathek heute aufruft, erlebt die erste Seite live mit. Keine Rhetorik, kein Pathos, nur ein Mikro, ein Headset und die Frage: Wie klingt eigentlich Unverwundbarkeit, wenn man sie kommentieren muss?
