Premier league: rekordumsätze, gigantische verluste – wohin geht die reise?

Die englische Premier League präsentiert ein paradoxes Bild: Nie zuvor wurden so viele Einnahmen generiert, gleichzeitig stapeln sich die Verluste in einem Ausmaß, das an die Zeiten der Pandemie erinnert. Ein Blick hinter die glitzernde Fassade offenbart ein fragiles System, das von Milliardärs-Investitionen am Leben gehalten wird – und das möglicherweise bald zusammenbrechen könnte.

Die zahlen lügen nicht: ein neuer umsatzrekord

Für die Saison 2024/2025 vermeldeten die 20 Top-Klubs der Premier League einen Umsatz von satten 7,821 Milliarden Pfund (ca. 9,153 Milliarden Euro) – ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das spricht für die globale Anziehungskraft der Liga und die enorme Werbekraft der Top-Vereine. Doch dieser Erfolg trügt, denn parallel dazu wurden Verluste in Höhe von 754,3 Millionen Pfund (ca. 882,8 Millionen Euro) ausgewiesen – viermal so viel wie in der vorherigen Saison. Laut Analyse von 2Playbook haben die Klubs in den letzten fünf Jahren, die mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie zusammenfallen, kumulierte Verluste von 3,892 Milliarden Pfund (ca. 4,555 Milliarden Euro) hinnehmen müssen.

Versteckte schulden: der trick mit den vermögenswerten

Versteckte schulden: der trick mit den vermögenswerten

Wie können die Klubs diese Verluste finanzieren? Eine zunehmend beliebte Methode ist der Verkauf von Vereinsvermögenswerten an die Eigentümer – ein raffinierter Schachzug, um die Bilanz zu verbessern und die neuen Finanzregeln der Premier League und der UEFA einzuhalten. Chelsea FC war hier Vorreiter, dem mittlerweile Newcastle United, Aston Villa und Everton FC gefolgt sind. Ob Stadien, Hotels, Frauenfußballabteilungen oder andere Vermögenswerte – alles wird veräußert, um kurzfristig Kapital freizusetzen. Ohne diese „Auflösungen“ würden die aggregierten Verluste der Premier League-Klubs im Jahr 2024/2025 sogar auf 1,05 Milliarden Pfund (ca. 1,23 Milliarden Euro) ansteigen.

Die spitze im vergleich: ein blick über den ärmelkanal

Die spitze im vergleich: ein blick über den ärmelkanal

Interessant ist der Vergleich mit La Liga. Während die Premier League mit ihrem enormen Umsatz die Spitze einnimmt, zeigt sich ein anderes Bild bei der Rentabilität. Der Southampton FC, Absteiger der vergangenen Saison, verzeichnete einen Umsatz von 187 Millionen Pfund (ca. 219 Millionen Euro) – mehr als der vierte umsatzstärkste Klub in La Liga, Real Betis. Letzterer, dank sportlicher Erfolge, starkem Marketing und erfolgreichen Transfers, konnte sogar einen Umsatzrekord erzielen und gleichzeitig Gewinne schreiben. Der Unterschied liegt in der Abhängigkeit von Fernsehgeldern: Während die Premier League 74 Prozent ihrer Einnahmen aus diesem Bereich bezieht, sind es in La Liga nur 43 Prozent.

Der big six und die neuen herausforderer: ein wettlauf um die spitze

Der big six und die neuen herausforderer: ein wettlauf um die spitze

Die Premier League profitiert von einer enormen Streuung der Einnahmen. Selbst die unteren Mannschaften der Tabelle können mittlerweile deutlich mehr Umsatz generieren als noch vor der Pandemie. Der durchschnittliche Umsatz der Klubs liegt bei beeindruckenden 337,9 Millionen Pfund (ca. 395,5 Millionen Euro) – ein Anstieg von 33 Prozent gegenüber der Zeit vor Corona und das Doppelte von vor zehn Jahren. Insbesondere der Big Six dominiert weiterhin, aber auch Klubs wie Aston Villa und Newcastle United investieren massiv in ihren Kader und ihre Infrastruktur, um in den Wettbewerb um die Spitze einzugreifen. Der Manchester United, trotz einer eher enttäuschenden Saison, konnte mit 160,3 Millionen Pfund (ca. 187,5 Millionen Euro) den höchsten Umsatz verzeichnen, gefolgt vom Arsenal FC.

Die dunkle seite des erfolgs: explodierende kosten

Doch hinter der glänzenden Fassade verbergen sich besorgniserregende Trends. Die Kosten für Personal, Spielbetrieb und Spielertransfers steigen schneller als die Einnahmen. Im Jahr 2024/2025 erhöhten sich die Gesamtausgaben um 14 Prozent auf 8,404 Milliarden Pfund (ca. 9,835 Milliarden Euro). Insbesondere das Personal kostet immens: 4,417 Milliarden Pfund (ca. 5,17 Milliarden Euro) wurden allein für Gehälter und Ablösen ausgegeben – ein Anstieg von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und das Vierfache der Ausgaben vor der Pandemie. Die Premier League ist in einem Teufelskreis gefangen, in dem immer höhere Einnahmen immer höhere Ausgaben erfordern.

Die zukunft ist ungewiss: ein fragiles system

Die Premier League steht am Scheideweg. Während sie weiterhin die lukrativste Fußballliga der Welt ist, birgt ihr fragiles Finanzmodell ein hohes Risiko. Ob die Milliardärs-Eigentümer bereit sind, ihre Kapitalflüsse aufrechtzuerhalten, ist ungewiss. Wenn dieser Zufluss versiegt, könnte die Premier League in eine schwere Krise stürzen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Es ist an der Zeit, das System zu überdenken, bevor es zu spät ist.