Poulsen in hamburg: hoffnungsträger oder problemfall?

Yussuf Poulsen kam vor einem Jahr als Hoffnungsträger an die Elbe, sollte mit Toren den Hamburger SV in die erste Liga schießen. Stattdessen wurde der dänische Stürmer zu einem Problemfall – und belastet sich damit sichtlich selbst. Die Frage, wie es weitergeht, ist brisant.

Die zerrung, der muskelfaserriss, das sprunggelenk: eine saison voller rückschläge

Seine Ankunft im Volksparkstadion war von großer Erwartung begleitet. Poulsen, Kapitän und vermeintlicher Torjäger, sollte den HSV zurück in die Bundesliga führen. Doch die Realität sah anders aus. 164 Tage fiel er verletzungsbedingt aus, geplagt von einer Kette von Blessuren, die ihn immer wieder zurückwarfen. Zerrungen, Muskelfaserrisse, Sprunggelenksbeschwerden – eine Saison, die sich anfühlte wie ein einziger Kampf gegen den eigenen Körper.

Die Folge: 19 von 34 Ligaspielen verpasste er. Nicht nur die sportliche Leistung litt darunter, sondern auch seine Chancen, sich für die dänische Nationalmannschaft zu empfehlen. Ein herber Schlag für den ambitionierten Stürmer, der sich stets mit vollem Einsatz für seinen Verein einsetzt.

Mehr als nur ein fußballer: poulsen als anführer und trainerassistent

Mehr als nur ein fußballer: poulsen als anführer und trainerassistent

Doch Poulsen ist mehr als nur ein Torschütze. Er ist ein Anführer, eine wichtige Stütze in der Kabine und ein verlängerter Arm von Trainer Merlin Polzin. Seine taktische Intelligenz und sein Verständnis für das Spiel sind unbestritten. „Sehr viele Aktionen bei ihm haben Hand und Fuß“, so Sportdirektor Claus Costa. Er weiß, wo der Ball hinfällt, stellt seinen Körper geschickt in den Zweikampf ein – ein unangenehmer Gegenspieler, der Abwehrspielern das Leben schwer macht.

Die Hamburger Verantwortlichen sehen in ihm weiterhin eine wichtige Rolle in ihren Planungen, auch wenn eine Stammplatzgarantie vorerst ausbleibt. „Wir können heute noch nicht sagen, ob er kommende Saison 34 Spiele über 90 Minuten machen könnte, aufgrund seiner Vorgeschichte“, räumt Costa ein. „Aber wir hoffen natürlich, dass er deutlich mehr zur Verfügung steht als vergangene Serie.“

Die krux: poulsens unbedingter siegeswille

Die krux: poulsens unbedingter siegeswille

Das eigentliche Dilemma liegt in Poulsens unbedingtem Siegeswillen. Der Däne, dessen Körperbau an den eines Modellathleten erinnert, geht in jedem Training an seine Leistungsgrenze. „Wenn Yussi fit ist und trainiert, dann immer mit 100 Prozent Einsatz“, bestätigt Costa. Er kann sich nicht schonen, ackert auf dem Platz und gibt immer Vollgas. Diese Mentalität hat ihn zu einem Star gemacht, könnte ihm aber auch zum Verhängnis werden. Im Vergleich zu seiner Zeit bei RB Leipzig, wo das Training weniger intensiv war aufgrund der regelmäßigen Teilnahme am Europapokal, muss er sich an die höhere Belastung bei den Hamburgern gewöhnen.

Seit Ende April ist Poulsen wieder fit und hinterließ in den letzten Spielen einen positiven Eindruck. Nun ruhen alle Hoffnungen darauf, dass er nach seinem Urlaub im zweiten Jahr in Hamburg endlich seine volle Leistungsfähigkeit entfalten kann. Ein Tor in der vergangenen Saison – das ist alles, was Poulsen aufzuweisen hat. Aber die Hamburger wissen: Wenn er fit und frei von Verletzungen ist, kann er immer noch den Unterschied ausmachen.

Die nächste Saison wird entscheidend sein. Kann Poulsen seine Verletzungsanfälligkeit in den Griff bekommen und seine Führungsqualitäten auf dem Platz unter Beweis stellen? Nur dann wird er den HSV wirklich verstärken können. Denn eines ist klar: Yussuf Poulsen ist ein Kämpfer – und Kämpfer geben niemals auf.