Potsdam bleibt sich treu: bundesliga-absturz war kein lehrgeld – warum aufstieg keine mission ist

Frank von Behren schiebt die Brille zurecht, zieht die Stirn kraus und spricht das aus, was viele Manager nur hinter vorgehaltener Hand sagen: „Für die Fanbase hat das Bundesliga-Jahr nur bedingt geholfen.“ Der Geschäftsführer des VfL Potsdam liefert damit das schärfste Stimmungsbild seit dem Absturz aus der ersten Liga – und einen Grund, warum sein Klub den Wiederaufstieg nicht zur Chefsache erklärt.

Top vier als ziel, nicht als zwang

Nach 22 Spieltagen steht Potsdam auf Rang vier, vier Punkte hinter Platz zwei. Genug, um mitzufiebern, zu wenig, um Karten für die Bundesliga zu drucken. „Wir verbieten den Aufstieg nicht, aber wir kaufen ihn auch nicht“, sagt von Behren. Der Satz klingt wie ein Seitenhieb auf jene Klubs, die sich mit Millionen-Transfers freikaufen, statt selber zu züchten.

Die Rechnung des 48-Jährigen geht auf: 14 Siege in dieser Zweitliga-Saison, drei nur in der Bundesliga-Saison zuvor. Dennoch: „Mein Trainer sagt, er spielt lieber erstklassig und verliert öfter“, lacht von Behren trocken. Die Erkenntnis: Erfolg misst sich nicht nur in Punkten, sondern in Anziehungskraft – und die blieb im Land Brandenburg begrenzt.

Die leere tribüne nach nebenmannschaft

Die leere tribüne nach nebenmannschaft

Was niemand offiziell thematisierte, packt von Behren in zwei Sätzen zusammen: „Viele kamen nur, um Magdeburg, Kiel oder Flensburg zu sehen. In der ersten Reihe schmeckt man den Schweiß – aber weniger wegen uns.“ Die Quote stieg, der Kern blieb. Kein Wunder, dass die Halle selbst bei Top-Spielen selten ausverkauft ist. Die Marke VfL wächst langsamer als die Tabelle.

Dafür wächst der Nachwuchs. Das Jugendzertifikat der Deutschen Handball Liga haben nur vier Zweitligisten – Potsdam ist dabei. „Wir werden die Jugend nie für den Erfolg opfern“, betont von Behren. Der Klub lebt von Transfererlösen, nicht von Transferausgaben. Kapitän Marco Mengon wechselte im Winter, Emir Kurtagic blieb – Verlängerung statt Verkauf, Werte statt Walker.

Coburg und nordhorn werden zur richtungswahl

Coburg und nordhorn werden zur richtungswahl

Die nächsten Wochen entscheiden, ob die Punkte reichen oder nur die Moral. In Coburg wartet der Verfolger, danach kommt Nordhorn – beide direkte Konkurrenten. „Wir schmeißen fünf Euro ins Phrasenschwein und wollen jedes Spiel gewinnen“, sagt von Behren. Danach liegt es an Anderen – und an der Frage, ob Potsdam sich selbst treu bleibt oder doch noch kauft, was es sich bislang nur erarbeitet hat.

Die Antwort liegt nicht in der Tabelle, sondern in der Philosophie: Erst Liga zwei verstehen, dann erst Liga eins erobern. Sonst droht dasselbe Déjà-vu: drei Siege, leere Ränge, kalte Duschen. Und ein Geschäftsführer, der wieder sagen muss: Für die Fanbase hat es nur bedingt geholfen.