Simic: frauenfußball braucht umdenken – und cornflakes-beispiel!
Die ehemalige deutsche Nationalspielerin Julia Simic hat in einem exklusiven Interview mit SPORT1 deutlich gemacht, dass trotz der Fortschritte im Frauenfußball immer noch große Ungleichheiten herrschen. Ihr Blick richtet sich dabei besonders auf die Wahrnehmung und die Strukturen im Fußball – und sie illustriert das Problem mit einer überraschenden Anekdote.
Die neue rolle als co-trainerin und die wm-qualifikation
Simic, die nun als Co-Trainerin der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft und TV-Expertin tätig ist, blickt auf einen erfolgreichen Start in die WM-Qualifikation zurück. Die ersten Lehrgänge waren „neu und aufregend“, berichtet sie, und trotz der verschiedenen Sprachen und des internationalen Trainerteams hat es großen Spaß gemacht. Die Heim-EM im vergangenen Sommer hat in der Schweiz einen Hype ausgelöst, der bis heute nachwirkt. Spielerinnen wie Alisha Lehmann, Sydney Schertenleib, Lia Wälti und Géraldine Reuteler erfreuen sich mittlerweile großer medialer Aufmerksamkeit und haben viele Fans in den Stadien.

Ungleichheiten und die notwendigkeit eines umdenkens
Doch Simic scheut sich nicht, die bestehenden Ungleichheiten anzusprechen. Es brauche ein Umdenken, vor allem in strukturellen Fragen: mehr Gleichberechtigung, ein stärkeres Miteinander und die gemeinsame Nutzung bestehender Ressourcen. Sie betont, dass Frauen niemandem etwas wegnehmen wollen. Und hier kommt die Cornflakes-Geschichte ins Spiel.
„Es ist wichtig, die Infrastruktur zu verbessern“, mahnt Simic, „und die Wahrnehmung zu ändern.“

Die cornflakes-anekdote: ein spiegelbild der realität
Simic erzählt von einem Vorfall, der ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist: „Ein männlicher Nachwuchsspieler saß noch alleine im Besprechungsraum und aß seine Cornflakes, sodass wir als Frauenteam unsere Besprechung nicht starten konnten. Er belegte den großen Raum, um seine fünf Löffel Cornflakes in Ruhe aufzuessen.“ Diese kleine Begebenheit, so Simic, sei ein Sinnbild für die bestehenden Unterschiede und die oft unbewusste Diskriminierung, mit der Frauen im Fußball konfrontiert werden.
Die fifa-quote und die trainerinnenausbildung
Die neue FIFA-Regelung, die vorschreibt, dass sich mindestens eine weibliche Person im Trainerstab einer Frauen-Nationalmannschaft befinden muss, sieht Simic zwiespältig. Eigentlich wehre sie sich gegen Quotenregelungen, da Leistung am Ende entscheidend sein sollte. Dennoch räumt sie ein, dass diese Regelung notwendig ist, um ins Tun und Handeln zu kommen und den Fokus auf die Ausbildung von Trainerinnen zu legen.
Veränderungen und die zukunft des frauenfußballs
Simic blickt positiv auf die Entwicklung des Frauenfußballs zurück: Die Qualität des Spiels hat sich verbessert, die Spielerinnen sind besser ausgebildet und die Sichtbarkeit der Spiele ist gestiegen. Dennoch gibt es noch viel zu tun. Sie wünscht sich, dass Frauen in leitenden Positionen im Fußball mehr repräsentiert sind und dass die Wertschätzung für den weiblichen Nachwuchs steigt. Der Schlüssel liegt in der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen und in einem Umdenken, der die Frauen nicht als Konkurrenten, sondern als Partner betrachtet.
Die ehemalige Nationalspielerin bekräftigt: “Wir müssen es schaffen, unsere Nationalspielerinnen auch in der Bundesliga zu halten, damit sie nicht zwangsweise ins Ausland wechseln müssen.” Nur so könne eine solide Basis für die zukünftige Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland geschaffen werden.
Die Wahrheit ist: Es braucht mehr als gute Spielerinnen. Es braucht eine Kultur des Respekts und der Gleichberechtigung – und das beginnt mit dem Teilen eines Raums, selbst wenn Cornflakes im Spiel sind.
