Matthäus platzt der kragen: „pavlovic und nmecha müssen spielen“
Lothar Matthäus legt sich fest – und zwar quer zur Linie von Julian Nagelsmann. Der Rekordnationalspieler erklärt Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha für unverzichtbar im DFB-Doppel-Sechser, während der Bundestrainer lieber auf einen „zweikampfstarken Abräumer“ setzen will.
Die kerbe, die matthäau nagt
„Ich weiß, wovon ich rede“, donnert der Weltmeister von 1990 in seiner Sky-Kolumne und spielt damit auf 150 Länderspiele und jahrelantes Kraftmessen auf der Sechs, der Acht und der Zehn an. Für ihn ist die Sache klar: Pavlovic holt sich den Ball, Nmecha trägt ihn von Strafraum zu Strafraum. Die Rollenverteilung, so Matthäus, funktioniere nur, wenn beide gleichzeitig auf dem Platz stehen – nicht, wenn Nagelsmann sie gegeneinander ausspielt.
Der Bundestrainer hatte im kicker betont, dass nur einer der beiden Bayern-Jungstars als regulärer Sechser plane. Der andere müsse sich mit der Reservistenrolle abfinden, weil neben einem ballorientierten Spieler „ein richtig stabiler, zweikampfstarker Sechser“ fehle. Nagelsmanns Fokus liegt auf Leon Goretzka, dessen Kopfballstärke und Erfahrung er für Turniere unersetzlich hält.

Goretzka: bonus für charakter, nicht für kopfballduelle?
Matthäus stützt Goretzkas Nominierung, aber mit Einschränkungen. „Er hat es sich verdient – auch von seinem Charakter her“, sagt er über den Bayern-Profi, der in München momentan meist auf der Bank sitzt und trotzdem „ruhig bleibt“. Doch die Betonung auf Kopfballspiel bewertet der 63-Jährige als „überschätztes Kriterium“. Bei einer WM gebe es kaum Teams wie Schottland oder Irland, die mit hohen Hereingaben arbeiten. „Pavlovic und Nmecha sind beide 1,90 m groß – die Größe allein reicht nicht, um Goretzka automatisch den Vorzug zu geben.“
Die Diskussion zeigt: Noch 100 Tage vor der Eröffnung in den USA herrscht im deutschen Mittelfeld keine Ruhe. Nagelsmanns Plan, eine klare Hierarchie zu schaffen, bekommt Gegenwind aus der eigenen Legenden-Ecke. Matthäus‘ Fazit klingt wie eine Kampfansage: „Wenn wir in der K.o.-Phase stehen, brauchen wir zwei Spieler, die den Ball sicher nach vorne tragen – nicht nur einen, der ihn verteidigt.“