Gravina zieht sich zurück: abete soll figc retten – em-rolle bleibt?

Gabriele Gravina spürt den Atem seiner eigenen Leute im Nacken. Nach dem WM-Aus gegen Bosnien schlägt ihm nicht nur Minister Abodi und Napoli-Boss De Laurentiis vor, das Feld zu räumen – selbst seine einst treue Basis im Palazzo flüstert von einem „Sanften Rückzug“. Die Lösung: ein Comeback des Ex-Präsidenten Giancarlo Abete.

Ein 98-prozent-mann zögert

Noch vor zwölf Monaten jubelte die Föderation 98 % für Gravina. Heute zählt er Stimmen im kleinen Kreis. Wer kann ihm noch eine klare Mehrheit garantieren, wenn morgen die Komponenten im CONI-Gebäude zusammenkommen? Laut mehrerer Verbandsvertreter ist die Antwort nüchtern: kaum jemand. Die Rechnung der Präsidentenriege: Lieber selbst einen Schritt zurück, als morgen gestürzt zu werden.

Abete, 72, gilt als Verhandlungswunder. Unter seiner Führung holte Italien 2006 den vierten Stern, die Stadien wurden modernisiert, die Finanzen gesäubert. Gravina kennt ihn seit Jugendzeiten, schätzt seine Kontakte zu UEFA-Boss Ceferin. Ein Deal, der beiden Seiten ein Gesicht wahrt: Abete übernimmt die Figc, Gravina behält als UEFA-Vize eine Schlüsselrolle bei der EURO 2032 – Organisationstechnisch, finanziell, politisch.

Was das für spalletti und co bedeutet

Was das für spalletti und co bedeutet

Trainer Luciano Spalletti wartet auf klare Strukturen vor der EM in Deutschland. Ein Präsident im Amtsgefüge gibt ihm Budgets, Stützpunkte und medialen Rücken. Ein Machtvakuum hingegen blockiert Sponsorenverhandlungen und Testspielplanungen. Die Zeit drängt: In 80 Tagen geht’s gegen Albanien los. „Wir brauchen Ruhe, keine Dauer-Riege“, sagt ein Verbandscoach, der seit Wochen mit Personalien statt mit Taktik beschäftigt ist.

Gravina selbst schweigt öffentlich. Intern hält er sich die Option offen, komplett zu gehen, sollte Abete ablehnen. Dann würde die Jagd auf einen dritten Kandidaten beginnen – mit dem Risiko, dass sich die Lager weiter spalten. Die FIFA blickt gen Rom, denn eine ihrer Top-Verbände droht, monatelang mit einer Kommissars-Regierung dazustehen.

Die Botschaft ist unmissverständlich: Selbst ein Präsident mit 98 % Zustimmung kann fallen, wenn die politische Tonlage umschlägt. Die Frage ist nicht mehr, ob Gravina geht, sondern wann – und ob Abete tatsächlich die Puste hat, ein desolates Schiff wieder auf Kurs zu bringen.