Danny da costa zerlegt die belastungsjammerer: „doppelbelastung ist ein alibi“
Danny da Costa hat keinen Bock mehr auf Gejammer. Nach dem 2:2 gegen Stuttgart liefert der Mainzer Rechtsverteidiger eine Abrechnung mit der Klagekultur der Liga – und trifft einen Nerv.
„Wer erfolgreich sein will, spielt dreimal pro woche“
Die Uhr zeigt 23:18, die Stimme klingt schwer wie ein Wintertrainingslager. „Ich finde es ehrlich gesagt immer ein Alibi“, sagt da Costa, während seine Mitspieler die Kabine räumen. Der Satz kommt ohne Pause, ohne Nachdenken. Er spricht, als hätte er diese Worte schon Tage im Kopf. „Wenn man sich hinstellt und sagt, die Doppel- oder Dreifachbelastung sei so schwierig – das ist für mich einfach nur ein Ausrede.“
Die Zahlen? Schon vorhanden. Mainz absolvierte in dieser Saison bereits 43 Pflichtspiele, flog zwischen Bundesliga, Pokal und Conference League im 72-Stunden-Rhythmus quer durch Europa. Trotzdem lief die Mannschaft in Stuttgart 118,4 Kilometer – Saisonrekord. Die Intensität? Laut Bundesliga-Datenbank lag die bei 121 Prozent der Ligaspiele ohne Europacup. Ein Wert, der alles Maulheldentum ad absurdum führt.
Da Costa selbst lief 11,8 Kilometer, gewann 72 Prozent seiner Zweikämpfe und legte die Vorlage zum 1:0. Dann traf er selbst zum 2:2, sprintete 80 Meter, zog aus 18 Metern ab, ließ Nübel keine Chance. „Wenn ich das nehme, was immer angekreidet wird – Laufleistung und Intensität – muss ich widersprechen. Das haben wir schon hinbekommen.“

Der profi, der sich selbst verrät
Was niemand rechnet: da Costa ist kein Fitnesswissenschaftler, sondern Spieler mit 32 Jahren auf dem Buckel. Er kennt die Schmerzen, die sich hinter jeder englischen Woche verstecken. „Aber wir sind keine Amateure mehr. Wir haben Physios, wir haben Cryokammern, wir haben Schlaftracker. Wer sich trotzdem beschwert, will sich nur rausreden.“
Die internen Zahlen des Klubs zeigen: Mainz lag in der Vorbereitung bei 98 Prozent der geplanten Trainingslast. Die Verletzungsrate sank um 27 Prozent gegenüber der Vorsaison. Ein Trend, der sich fortsetzt. Und doch: die Punkte blieben aus. „Wir haben uns nicht belohnt. Aber das ist kein Belastungsproblem, das ist ein Effizienzproblem.“
Am Donnerstag geht’s nach Olmütz, 1.150 Kilometer mit Bus und Flugzeug. Die Tschechen laufen nur 104 Kilometer pro Spiel, haben aber die drittbeste Torchancenausbeute der Conference League. „Die werden uns nicht schonen. Die wollen uns schlachten. Und genau deshalb freue ich mich drauf“, sagt da Costa. Kein Seufzer, kein Gestammel. Stattdessen ein Grinsen, das aussieht, als hätte er gerade einen Gegner abgekocht.
Die Message ist klar: Wer in drei Wettbewerben spielt, hat sich das selbst ausgesucht. Und wer jammern will, soll sich ein anderes Hobby suchen. Mainz hat keine Zeit für Mitleid. Mainz will nach Kopenhagen, wo das Finale steigt. Und Danny da Costa wird laufen. Bis die Sohlen glühen.
