Conte: der umbruch, der italien veränderte – und die intrigen dahinter
Antonio Conte kam im Sommer 2014 in eine Nation, die am Boden lag. Nach dem desaströsen WM-Finale in Brasilien war der Ruf nach einem neuen Kapitän laut – und Conte, der gerade die Juventus Turin zu drei Meisterschaften in Serie geführt hatte, sollte die Blaupause liefern. Doch sein Amtsantritt war alles andere als ein Neustart in Frieden.
Die ungewöhnlichen dialoge mit den bundesliga-kollegen
Conte verlangte von Beginn an, dass er die Bundesliga-Trainer kennenlernte. Ein Stunden-Gespräch mit Donadoni, Allegri, Spalletti und Mihajlovic – eine Szene, die viele als absurd empfanden. Er suchte den Dialog, die gemeinsame Linie, um das italienische Nationalteam neu zu definieren. Doch die Vergangenheit, die sich in den Worten der Trainer spiegelte, zeigte, dass die Wege zur Einheit steinig waren. Prandelli, der ehemalige Trainer, sprach von der Schwierigkeit, Spieler monatelang zu führen, während Mihajlovic die Notwendigkeit eines engen Kontakts mit den Vereinsmanagern betonte. Conte, unerbittlich, suchte nach einem Weg zum Erfolg, unabhängig von den alten Gewohnheiten.

Die stage-kontroversen und die finale coppa italia
Die ersten Schritte waren nicht ohne Stolpersteine. Conte forderte Trainingslager im Februar, eine engere Zusammenarbeit zwischen Verband und Liga – alles, um die Mannschaft optimal vorzubereiten. Doch die Umsetzung war alles andere als reibungslos. Die Stage-Einheiten wurden als „Pigiama Party“ verspottet, und die Entscheidung, die Coppa Italia nach dem 15. Mai auszutragen, sorgte für offene Konflikte mit der Liga. Conte, der mit dem Präsidenten Tavecchio eine klare Linie verfolgte, ließ sich nicht beirren. Er wollte einen Kader, der bereit war, für Italien zu kämpfen, und das bedeutete harte Arbeit und klare Prioritäten.

Von juventus zum azzurro: ein radikaler ansatz
Conte kam mit dem Ruf eines „radikalen“ Trainers an. Ein Mann, der keine Kompromisse einging und seine Mannschaften zu einem unerbittlichen Kampfgeist aufforderte. Seine Zeit in Turin hatte ihm den Ruf eines Taktikers eingebracht, der seine Spieler bis an die Grenzen trieb. Der ehemalige Juventus-Trainer, der immer wieder betonte, dass er seine Mannschaft erst in ein paar Jahren wirklich verstehen würden, brachte diese Philosophie auch in die Nationalmannschaft ein. Nach dem desaströsen WM-Finale, als die Spieler in Natal um ihre Zukunft bangten, kehrte Conte nach Turin zurück – nur für einen Tag. Ein symbolischer Akt, der das Ende seiner Zeit bei Juventus und den Beginn einer neuen Ära für Italien markierte.
Die Nominierungen sorgten für Aufsehen: Balotelli wurde zurückgestellt, während Eder, Vasquez und andere Spieler die Chance bekamen, für die Nationalmannschaft zu kämpfen. Conte sprach von der Notwendigkeit, „sich zu erinnern, dass man für Italien spielt“ und betonte, dass er „jeden Mann beurteilen würde, nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb.“

Der triumph von 2016 und das erbe contes
Trotz der anfänglichen Kontroversen führte Conte Italien zur EM 2016. Ein Turnier, das von Teamgeist, Kampfgeist und einer unbändigen Willensstärke geprägt war. Der Sieg gegen Spanien im Achtelfinale, der Kampf gegen Deutschland im Halbfinale – diese Momente gehören zu den unvergesslichsten in der Geschichte des italienischen Fußballs. Auch wenn die Niederlage gegen Deutschland im Elfmeterschießen schmerzlich war, hinterließ Conte ein Erbe, das bis heute nachwirkt: Eine Nationalmannschaft, die sich für ihr Land blutete, eine Mannschaft, die den „Wir“-Gedanken über den „Ich“-Gedanken stellte. Conte verließ Italien mit der Gewissheit, alles gegeben zu haben – und mit dem Wissen, dass der Weg zum Erfolg oft steinig und voller Hindernisse ist.
