Pogacar zertrümmert liegi in 44,4 km/h – und schweigt
Tadej Pogacar hat die älteste Monumente-Klassiker nicht einfach nur gewonnen, er hat sie versenkt. 44,4 km/h Schnitt – so schnell fuhr noch nie ein Mensch über die Ardennen. Viermal triumphiert, niemand zuvor. Doch als er über die Zielstriche rollte, hob er nur kurz den Arm und deutete gen Himmel. Statt Jubel: Trauer.
Ein sieg, zwei abschiede
Am Dienstag war Camilo Muñoz gestürzt, Ex-Teamkollege, 25 Jahre alt, tot. Die UAE-Truppe schwieg auf der Fahrt nach Belgien, nur das Radio knackte. „Wir wussten, dass Tadej heute für ihn fahren würde“, sagte Sportlicher Direkt Joxean Fernández, „aber niemand erwartete diese Geschwindigkeit.“
Schon auf der ersten Steigung riss das Feld. Pogacar lag hinten, 40 Sekunden Rückstand, Gesicht hinter Sonnenbrille. Dann schaltete er um, riss sich an der Côte de La Redoute an Paul Seixas fest, 19, Franzose, noch U23. „Ich dachte, wir sprinten gemeinsam“, sagte der Youngster später mit zitternder Stimme. Doch Pogacar zog auf der letzten Rampe einfach weg, als hätte er einen zweiten Motor.

Die zahl, die alles erklärt
44,4 km/h – auf 258 Kilometern und 4.400 Höhenmetern. Das bedeutet: Er fuhr die Strecke fast so schnell wie ein flaches Eintagesrennen. Die alte Bestmarke hatte Fabian Cancellara 2010 aufgestellt, 42,9 km/h. Pogacar war nicht nur 1,5 km/h schneller, er versetzte der Statistik ein Loch.
„Ich spüre die Beine nur noch, wenn ich gewinnen muss“, sagte er später, leise, fast entschuldigend. „Heute war so ein Tag.“ Seit seiner Frühjahrspause hatte er nur zwei Rennen bestritten. Die Frage, ob er frisch sei, beantwortete er mit einem Lachen: „Frisch ist relativ. Ich bin einfach wütend.“

Seixas, der fast-mann
Paul Seixas war auf der Redoute dran, dann war er weg. „Er ist ein Alien“, sagte der Franzose und schüttelte den Kopf. „Ich fuhr an meine Grenze, er fuhr an seine: 600 Watt, 20 Sekunden, fertig.“ In der Fahrerlounge schauten die Profis auf die Monitore, niemand sprach. Bettiol murmelte nur: „Seit er da ist, rechnen wir anders.“
Pogacar selbst wollte vom Rekord nichts wissen. „Zahlen sind für später“, sagte er. „Camilo hätte heute vielleicht vorne mitgefahren. Deshalb war mir der Sieg wichtiger als die Geschwindigkeit.“ Dann stieg er auf den Rolltrainer, um die Beine auszufahren. Die Halle war leer, nur das Summen der Rolle blieb.
Am Ende bleibt eine Feststellung: Wer 44,4 km/h auf der Liegi fährt, der braucht keine Show. Die Uhr reicht.
