Pogačar krönt sich in sanremo nach sturz und sprint-drama
298 km, ein heftiger Sturz, 30 km Verfolgungsjagd – und dann ein Sprint, der bis auf die Zehntelsekunde offen blieb. Tadej Pogačar hat Mailand–Sanremo mit gebrochenem Trikot, blutigen Knien und dem letzten Zucken seiner Beine gewonnen.
Der moment, als das rennen fast zerbrach
Mitten in der Hauptrunde, kurz nach der Capo Berta, rutscht das Hinterrad weg. Kein Warnruf, kein Kontakt – einfach weg. Pogačar liegt auf dem Asphalt, die Gruppe donnert bei 60 km/h davon. „Ich dachte: Jetzt ist Schluss“, sagt er später. Sekunden verstreichen, bevor er wieder in die Pedale tritt. Die Lücke: 40 Sekunden. Die Rechnung: 15 Sekunden pro Kilometer aufholen, sonst war’s das.
Seine UAE-Truppe zieht sofort durch, aber die Jungs sind auf Klassiker-Setup: keine Zeitfahrmaschinen, nur reine Muskelkraft. Pogačar selbst übernimmt 20 km vor dem Ziel das Steuer. Er schaltet in den Aero-Modus, senkt den Oberkörper, als wolle er sich selbst verschlucken. Die Lücke schmilzt von 35 auf 20, dann auf 10 Sekunden. Am Fuß des Poggio ist er wieder da.

Poggio-zerberst: van der poel platzt, pidcock hängt
Dort, wo die Straße auf 4 km noch 6 % ansteigt, zündet van der Poel die erste Rakete. Antwort Pogačar: 15 Sekunden später, 500 Meter weiter, genau auf dem Stein, der als „Renn-Grab“ gilt. Plötzlich nur noch zwei: Pogačar und Pidcock. Der Brite gleicht jedes Tempo-Update aus, fährt wie ein Computer, dessen Algorithmus auf „Sprint“ programmiert ist. Unten in Sanremo bleiben 2,1 km. Kopfsteinpflaster, 90-Grad-Kurve, Vollgas.
Die letzten 200 Meter: Pidcock startet links, Pogačar rechts. Beide schwenken gleichzeitig, beide schlagen in die Lenker. Die Photo-Finish-Kamera fängt es ein: 0,06 Sekunden Vorsprung für den Slowenen. „Ich hatte Angst, dass er noch vorbeikommt“, sagt Pogačar. Pidcock bricht in der Zielaufstellung zusammen: „Es brennt, weil ich so nah war.“

Ein monument weniger für die ewigkeit
Mit diesem Sieg fehlt Pogačar nur noch Paris–Roubaix, um alle fünf Monumente zu komplettieren. Er ist 26. Kein anderer Fahrer dieser Generation hat so früh schon vier der fünf Krone jeweils mindestens einmal gewonnen. Die Zahlen: 6:31:59 Stunden, 42,4 km/h Durchschnitt, 2.780 Höhenmeter, eine Herzfrequenz, die im Sprint auf 194 schoss.
Und doch bleibt das Bild des Tages jenes eines zerschlissenen Trikots, das im Wind flattert. Ein Sieg, der beweist: Monumente werden nicht nur mit Beinen gewonnen, sondern mit der Fähigkeit, sich selbst neu zu erfinden, wenn der Asphalt plötzlich aufreißt.
