Pogacar gegen van der poel: mailand-sanremo wird zur 300-km-kriegserklärung
298 Kilometer, drei Capi, ein Poggio – und nur einen Sieger. Am Samstag rollt das erste Monument 2026 über die ligurische Küste, und die Frage ist nicht, wer gewinnt, sondern wer überhaupt noch Beine hat. Tadej Pogacar will das letzte fehlende Juwel, Mathieu van der Poel will den Hattrick. Dazwischen liegt ein Asphaltband, das seit 1907 schon jeden Champion irgendwann zerbrochen hat.
Warum pogacar diesmal nicht nur zuschaut
Er hat schon Roubaix, er hat schon Flandern, er hat schon Lüttich – aber Sanremo fehlt. Das nagt an ihm wie ein Stein im Schuh. Im Training ließ er sich diese Woche in Finale Ligure blicken, Cap auf, Kapuze runter, Handy weg. Die Botschaft: keine Show, nur Arbeit. Sein Team hat die Cipressa neu vermessen, die Datenbank sagt: 5,7 Prozent, 5,8, dann 6,1. Er kennt jeden Meter, aber das reicht nicht. Er muss den Poggio so schnell fahren, dass van der Poel keine Zeit hat, zu lachen.
Letztes Jahr schlug der Niederländer noch einen Haken, der Pogacar die Beine wegzog. 2025 war ein Solo, 2023 ein Sprint. Beide Male fuhr van der Poel wie ein Mann, der die Strecke erfunden hat. Jetzt droht er mit dem dritten Sieg in die Nähe von Erik Zabel und Costante Girardengo zu rutschen – Legenden, die nur Eingeweihte kennen. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Tadej gewinnt“, sagt er selbst. Das klingt nach Respekt, ist aber Psychospiel. Wer so spricht, hat schon gewonnen – oder will, dass der andere das glaubt.

Die frauen starten früher, aber nicht kleiner
Während die Männer noch schlafen, jagt Lorena Wiebes schon über die Via Roma. 156 Kilometer, 2.100 Höhenmeter, dieselbe Mittagssonne. Ihr Rennen beginnt um 12.30 Uhr in Genua, endet aber auf derselben roten Matte. Hinter ihr lauert Elisa Longo Borghini, die Italienerin, die in Sanremo schon einmal gewann und diesmal keine Geschenke verteilt. Wer hier sieht, dass Frauen weniger Strecke bekommen, versteht nichts: Sie fahren dieselben Capi, dieselben Kurven, dieselbe Erschöpfung – nur schneller, weil sie keine Zeit verschwenden.
Die ARD zeigt nur die letzten 30 Kilometer, Eurosport 2 nimht alles. HBO Max kostt 5,99 Euro im Monat, dafür bekommt man aber auch Migels, Bengsch und Jens Voigt – ein Trio, das schon 2012 Cancellara anschrie, als der noch nicht einmal seine Frau glaubte, dass er gewinnen würde. Wer kein Abo will, findet beim Liveticker von eurosport.de jede Attacke in Echtzeit, aber ohne Salzwassergeruch.

Die wetterkarte lügt nie
18 Grad, leicht bewölkt, Wind aus Südwest – perfekt für Fluchtgruppen, tödlich für Solo-Fahrer. Wer früh weg ist, stirbt spätestens auf der Cipressa zweimal. Wer zu spät kommt, findet vorne keine Seele mehr. Die Statistik sagt: Seit 2013 gewann nur zweimal jemand, der vor der Cipressa alleine lag. Die anderen Male entschied der Poggio. 5,7 Prozent, 3,7 Kilometer, sieben Minuten Hölle. Da trifft sich, wer noch kann. Und da trifft sich, wer noch träumt.
Um 15.42 Uhr wird das erste Gruppenfoto gemacht, um 16.00 Uhr fällt der Startschuss. Um 17.30 Uhr ist die Cipressa passiert, um 17.45 Uhr der Poggio. Um 18.03 Uhr jubelt jemand auf der Via Roma, und um 18.04 Uhr weiß der Verlierer, dass er 365 Tage lang diesen Moment mit sich herumtragen muss. Das ist Mailand–Sanremo: kein Rennen, sondern ein Kalender, der sich einmal im Jahr öffnet und danach wieder zuklappt – mit oder ohne dich.
