Play-offs nl: davos trifft auf zug, fribourg fordert rapperswil – schon jetz kocht die pokalkessel

Die Nacht, die den Play-off-Kessel endgültig zum Überkochen brachte, war so kurz wie ein Penaltyschuss: Innerhalb von 60 Minuten schickten die SC Rapperswil-Jona Lakers den SC Bern mit einem blutleeren 6:1-Gesamtscore in die Sommerpause und ließen die National League wissen, wer mit wem um den Thron raufen darf. Nun steht fest: HC Davos gegen EV Zug wird das Feueralarm-Viertelfinale, Fribourg-Gottéron bekommt es mit den aufgepumpten Lakers zu tun, Genève-Servette duelliert sich erneut mit dem Stadtkonkurrenten Lausanne und die ZSC Lions locken Lugano ins Hallenstadion.

Davos vs. zug – duell auf augenhöhe mit meister-anspruch

Die Zahlen sind so klar wie Eis: Davos ging als Quali-Sieger durch die Zielgerade, Zug schlitterte als Achter mit dem letzten Atemzug ins Viertelfinale. Doch hinter den Tabellenplätzen lauert eine Rivalität, die seit Jahren jedes Play-off erstrahlen lässt. In den letzten drei Jahren trafen die beiden Teams zweimal aufeinander – jeweils ging die Serie über sieben Spiele, jeweils schrie am Ende Davos. Doch diesmal wirft Zug-Coach Dan Tangnes einen neuen Anlauf: Mit dem formstarken Trio Suri-Andrighetto-Smith und dem kalten Play-off-Goalie Leonard hat der EVZ das Potenzial, den Quali-Sieger zu entzaubern. Die Serie beginnt am Samstag in der Vaillant Arena, wo bereits 6.500 Fans dicht gedrängt die Daumen drücken – Tickets sind seit Tagen vergriffen.

Parallel wird in der BCF Arena ein anderes Drama vorbereitet. Fribourg, in der Quali mit 91 Punkten unangefochtener Zweiter, empfängt die Lakers, die ihre Play-in-Serie gegen Bern mit einer Energieleistung beendeten, die selbst das Wallis erschaudern lässt. Trainer Johan Lundskog ließ seine Mannschaft nach dem 4:0-Endspiel nicht einmal in die Kabine, sondern sammelte sie direkt auf dem Eis: „Wir haben noch nichts erreicht, außer dass wir jetzt gegen das beste Team der zweiten Saisonhälfte müssen“, sagte er mit einem Grinsen, das verriet: Er weiß, dass seine Jungs genau das lieben.

Der stadtrivalen-klassiker: genf vs. lausanne

Der stadtrivalen-klassiker: genf vs. lausanne

In der Westschweiz kocht die Gemüterlage schon seit Wochen. Genève-Servette holte in der Quali zuletzt zehn Siege in Folge, Lausanne schrammte mit einem furiosen Schlussspurt über die Play-in-Runde. Nun treffen die beiden Städte in einem Best-of-Seven aufeinander, das weit über Sport hinausgeht: Die Fanlager geben sich die Klinge seit Jahren auf Social Media, die Clubs liefern sich ein Gehalts- wie Marketing-Wettrüsten. GSHC-Präsident Marc Müller ließ durchsickern, dass man die Play-in-Einnahmen komplett in neue Sitzplätze investieren will – sollte die Serie lange dauern, könnte das Hallenstadion in Genf bald die lauteste der Liga sein.

Und dann wären da noch die ZSC Lions, die nach dem Triumph vom letzten Jahr erneut den Favoriten-Patch tragen. Mit Lugano wartet der Meister von 2024 auf den Meister von 2023. Die Statistik spricht für Zürich: In den letzten zehn Play-off-Duellen setzten sich die Lions acht Mal durch. Doch Lugano-Coach Greg Ireland hat seinen Kader um die jungen Wilden Loeffel und Marti erweitert, die nach dem Penaltysieg gegen SCL Tigers mit Selbstvertrauen strotzen. „Wir haben nichts zu verlieren, deshalb sind wir gefährlich“, sagte Ireland nach dem Play-in-Finale. Seine Spieler glauben fest daran, dass gerade diese Lockerheit die Lions aus der Ruhe bringen kann.

Die Termine stehen, die Tickets wechseln für horrende Preise den Besitzer, die Analysten wettern von „das offenste Play-off der letzten Jahre“. Tatsache ist: Keine Serie dürfte vorzeitig enden, kein Favorit kann sich auf seine Regular-Season-Leistung verlassen. Die Punkte werden seit Mittwochabend zurückgesetzt, die Einsätze erhöht, die Gesichter noch markanter hinter den Helmen. In den Stadien tobt das Meer aus Fanblocks, auf dem Eis tickt die Uhr runter bis zum ersten Bully am Samstag. Wer jetzt noch denkt, die Saison kenne ihren Meister, hat die letzte Woche nicht verfolgt. Der Pokal ist blank, die Klingen gewetzt – und Klaus Schäfer wird live berichten, wenn das Eis wieder brennt.