Pius suter landet nach blues-debakel und jagt mit schweiz den wm-traum

Pius Suter stieg in St. Louis aus einem Flugzeug, das ihn von einem verschenkten NHL-Frühling wegbrachte, und landete direkt in der Realität einer Heim-WM. „Wir geben alles für den großen Coup“, sagt er – so klar, als hätte die enttäuschende Saison mit den Blues nie stattgefunden.

Der erste nhl-refugio im schweizer lager

Als erster Spieler aus der Übersee-Liga meldete sich der 29-jährige Zürcher bei Nationaltrainer Jan Cadieux. Kein Sonderurlaub, keine Schonung. Stattdessen sofort Integration ins System, sofort Testspielprogramm: heute in Jönköping gegen Schweden, am Wochenende in Budweis gegen Finnland und Tschechien. Cadieux’ Devise ist kühl: „Es geht darum, dass die Jungs mental frisch an die WM gehen.“ Die nächsten NHL-Kräfte sollen in sieben Tagen nachkommen, doch Suter prescht vor.

Die Zahlen hinter ihm lesen sich wie ein verweigertes Happy-End: 64 Spiele, 13 Tore, 16 Assists, Plus-13 – drittbeste Bilanz im Kader der Blues. Doch die 15:53 Minuten Eiszeit pro Partie verpufften, weil St. Louis sich mit vier Punkten Rückstand verzockte. „Es sah knapper aus, als es vom Gefühl her war“, sagt Suter. Die Wahrheit: Die Blues fanden erst nach der Olympia-Pause in die Spur, holten 20 Punkte in den letzten 25 Spielen – zu spät.

Zürich als brennpunkt und persönliche revanche

Zürich als brennpunkt und persönliche revanche

Für Suter ist die WM nicht nur Heimspiel, sondern auch offene Rechnung. 2017 und 2022 fehlte er in den Jahren, in denen die Schweiz Silber holte. Drei Mal Zweiter in acht Jahren – er war nie dabei. Jetzt wohnt er 15 Minuten von der Hallenstadion-Tür entfernt, spürt den Druck der Straßen, hört die Erwartung. „Wir spielen zu Hause, wollen den Fans etwas zeigen. Extra-Motivation? Fehlanzeige.“

Die Turbulenzen um die Trennung von Ex-Trainer Patrick Fischer erwähnt er nur am Rande. „Das Thema ist für uns abgeschlossen“, sagt er knapp – und schiebt sich die Schutzbrille der Gegenwart auf. Cadieux seinerseits gibt sich kämpferisch: „Ich will die Schweiz an die Spitze bringen.“

Suter brennt darauf, aus soliden Einzelzahlen endlich kollektives Gold zu destillieren. Die Blues-Saison war ein Lehrstück darüber, wie schnell Leistung verpufft, wenn das System nicht trägt. In Zürich will er das Gegenteil beweisen: dass eine ganze Nation dann jubelt, wenn ein einzelner Center den ersten Schuss aufs schweizerische Tor blockt und sofort zurückskatet. Die Uhr läuft – und Suter hat sie endgültig wieder auf Anschlag gedreht.