Pirovano räumt kvitfjell ab und stiehlt rädler die show
Laura Pirovano schreibt Märchen. Drei Tage, drei Siege, eine Kristallkugel – und ein österreichisches Tränental. Die 28-jährige Italienerin katapultierte sich beim Saisonfinale in Kvitfjell mit dem dritten Abfahrtssieg in Serie an die Spitze der Disziplinenwertung. Ariane Rädler? Die Vorarlbergerin schluchzt vier Hundertstel neben dem Podest.
Die Zielampel schaltete auf Grün – und dann auf Trauer. 0,04 Sekunden fehlten Rädler auf Platz drei, 83 Punkte auf die kleine Kugel. „Ich habe alles rausgehauen“, sagte sie mit zitternder Stimme, „aber das reicht eben nicht gegen ein solches Märchen.“ Denn Pirovano, bislang ein Phantom in der Weltspitze, verwandelte die norwegische Eisarena in ihre persönliche Bühne.
Pirovano dreht den saisonendspurt auf angriff
Val di Fassa war der Startschuss. Dort schob die Ladinierin zwei Siege hintereinander, schob sich so in die Kugel-Ränge, dass selbst die Buchmacher blinzelten. Nun der Triple in Kvitfjell: 1. Breezy Johnson (+0,15), 2. Kira Weidle-Winkelmann (+0,25), 3. eben jene Pirovano – und keiner spricht mehr von Zufall. Ihre Linie: direkt, leicht nach innen, dann raus aus der Falllinie. Risiko? „Kalkuliert“, sagte sie, „mehr zu verlieren hatte ich nicht.“
Die Konkurrenz schaut betreten. Mikaela Shiffrin, Gesamtweltcup-Führende, verliert ihre letzte weiße Weste: auch in der Abfahrt kassiert sie Punkte. Emma Aicher, Deutschlands Hoffnungsträger, wird Fünfte und liegt 95 Zähler zurück. Die Devise lautet: Angriff oder Aufgeben. Aber Pirovanos Tempo setzt der 22-jährigen Bayern ein Denkmal.

Österreichs speed-damen bleiben ohne podest-feeling
Abfahrts-Königin Cornelia Hütter schafft Platz sechs, weit weg vom Glanz der Vorjahres-Saison. Nina Ortlieb und Mirjam Puchner rutschen außerhalb der Top Ten – ein Déjà-vu der schwierigen Winterwochen. Die Skistiefel der Alpenrepublik verlieren an Grip, während Italiens zweite Garde – nach Federica Brignone – den Fahnenmast schwenkt.
Die Tage bis zum Abschlussrennen in Saalbach ticken. Pirovano reist als Jägerin, nicht mehr als Gejagte. Rädler packt die Ski ein mit dem bitteren Geschmack von fast. Und Emma Aicher? Sie muss gewinnen – und Shiffrin ausbremsen. Die Rechnung ist simpel, die Wirklichkeit gnadenhaft.
Die Abfahrtskugel ist vergeben, das Finale aber offen. In drei Tagen entscheidet sich, wer die große Kristallkugel trägt. Pirovano hat ihren Winter bereits gewonnen. Für die anderen beginnt jetzt der Kampf gegen die Uhr – und gegen ein Märchen, das einmalig im Weltcup bleibt.
