Pirovano rastet in kvitfjell aus: italienerin erbeutet abfahrt-kristall in spektakulärem coup

Laura Pirovano hat Kvitfjell in einen Pulverdampf verwandelt. Die 28-jährige Italienerin fegte mit einer Attacke, die zwischen Skisprung und Gebet schwankte, über die Olympiabahn von 1994 – und riss sich mit 0,13 Sekunden Vorsprung vor Breezy Johnson nicht nur den Tagessieg, sondern die kleine Kugel der Abfahrtswertung.

Was folgte, war ein Jubel, der die norwegischen Fjorde zum Klingen brachte. Pirovano fiel auf die Knie, presste das Gesicht gegen den Schnee und schrie ein „Grazie“ in den Himmel, das selbst die bisherige Spitzenreiterin Kira Weidle-Winkelmann erblasste ließ. Die Deutsche hatte mit 1:54,06 Minuten lange die Bestzeit pariert, musste sich am Ende mit Rang drei begnügen.

Pirovano fuhr wie auf schienen, die anderen rutschten ins aus

Die Sturzgeburt ihres Triumphs kam im untersten Streckendrittel. Zwischen den Zwischenzeiten lag sie noch hauchdünn zurück, dann trat sie ein letztes Mal aufs Gas, ließ die Ski flach und die Konkurrentinnen stehend. „Ich habe nur noch gedacht: Jetzt oder nie“, sagte sie später mit zitternder Stimme. Die Uhr blieb bei 1:53,93 stehen – ein Wert, den bis dato nur Superzoom-Mina Fürst Holtmann in einem internen Training unterboten hatte.

Für die Gesamtweltcup-Favoritinnen wurde der Tag zur Geduldsprobe. Corinne Suter verpasste als Sechste die Kristall-Küche, Emma Aicher rutschte auf Platz fünf ab und kassierte 95 Punkte Rückstand auf US-Star Mikaela Shiffrin. Die Österreicherin Cornelia Hütter wurde nur Neunte, Lokalmatadorin Kajsa Vickhoff Lie landet nach zwei Fehlern vor der Zielkurve als Elfte abgeschlagen im Ziel – und schob ihre Stöcke frustriert in die Schneemauer.

Ein coup, der italiens ski-verband aus dem dornröschenschlaf reißt

Ein coup, der italiens ski-verband aus dem dornröschenschlaf reißt

Pirovano war vorher eine Solistin im Schatten der großen Namen. Jetzt trägt sie die kleine Kugel nach Hause – und die mit 780 Punkten verbundene Siegprämie. „Das ist mehr, als ich in meiner bisherigen Karriere zusammen gesammelt habe“, gestand sie und lachte, dass ihr Bankberater seit dem zweiten Lauf schon zweimal angerufen habe.

Die Swiss-Ski-Equipe dagegen reist mit leeren Händen: keine Punkteränge für Joana Hählen, Priska Nufer oder Jasmine Flury. Teamchef Roland Assinger sprach von „einem Blackout in Weiß“, kündigte aber an, dass man in der Saison-End-Abfahrt in Saalbach „noch einmal alles in die Waagschale werfen“ werde.

Für Pirovano geht es dagegen nach dem größten Erfolg ihrer Karriere um alles oder nichts: Die große Kugel ist zwar nicht mehr zu greifen, aber mit der kleinen im Gepäck fährt sie nach eigenen Worten „wie entfesselt“ in die letzten Speed-Rennen. Und Kvitfjell? Dort haben die Italiener jetzt ein neues Lieblings-Dorf – und eine Heldin, die sich selbst noch nicht ganz glaubt, dass sie morgens aufwacht und tatsächlich Kristall auf dem Nachttisch liegen hat.