Pidcock fliegt in abgrund und muss katalonien-rundfahrt vor schlüsselberg abbre
Tom Pidcock ist weg. Kein Showdown auf dem Montjuïc, kein letzter Angriff, nicht einmal Startnummer 111 an der Sechsten Etappe. Der Brite verabschiedet sich mit einem Knie, das „wie ein Luftballon aussieht“, aus der 105. Volta Ciclista a Catalunya und reißt ein riesiges Loch in die Favoritenliste.
Sturz in der letzten abfahrt bleibt ungefilmt
Freitag, 30 km vor dem Ziel von La Pobla de Lillet. Eine Kurve, lose Kiesel, dann nichts. Pidcock rutscht in die Schlucht, 20 Meter tief, Rad weg, Handy weg, Blick weg. Keine Kamera hält den Moment fest – der einzige Trost: Er kann selbst wieder auf die Straße kraxeln, ein Ersatzrad schnappen und ins Ziel rollen. 29:15 Minuten Rückstand, Platz 116. „Das Nervigste: Es gibt kein Video. Wenn du fliegst, willst du wenigstens den Beweis“, sagt er mit jenem trockenen Humor, der ihn auszeichnet.
Über Nacht schwillt das rechte Gelenk an, bis die Haut spannt. Teamarzt und Radiologe stimmen überein: Kein Bruch, aber auch keine Belastung. „Etwas in meinem Knie ist nicht in der Reihe, und ich muss es in Ruhe lassen“, erklärt Pidcock via Instagram. Für die Sechste Etappe mit dem steilen Coll de Pradell und der Bergankunft in Queralt bleibt der Startplatz leer.

Pinarello q36.5 verliert seinen kapitän vor königsetappe
Der Rennstall verliert damit nicht nur seinen besten Kletterer, sondern auch die Option auf Etappensiege und wertvolle WorldTour-Punkte. Sportdirektor Juanma Garate spricht von „einem Schlag in die Magengrube“, muss aber auch Bilanz ziehen: Pidcock ist der fünfte Fahrer, der in dieser Woche auf italienischem Carbon landet. João Almeida, Brandon McNulty, Georg Steinhauser und Jörgen Nordhagen folgten samstags mit Schürfwunden, aber ohne Langzeitfolgen dem Ruf der Schwerkraft.
Die Gesamtwertung nimmt den Ausfall mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Jonas Vingegaard führt mit 0:57 Minuten vor Felix Gall, dahinter lauern Lenny Martinez und Florian Lipowitz. Remco Evenepoel, selbst schon auf der Asphalt-Seite gelandet, rangiert auf Platz sechs. Die Jagd auf das Trikot blau-granate bleibt offen – nur ohne Pidcock.

Was bleibt, ist ein scherbenhaufen und ein witz
Am Streckenrand flüstern Mechaniker, dass das abgeschaltete Bike noch ganz aussah. Im Bus lachen die Sozial-Media-Redakteure über den Spruch des Tages: „Wenn du stürzt, solltest du es zumindest auf Video haben.“ Die Ärzte verordnen Schonung, die Fans verordnen Tränen, und die Volta schiebt unbeirrt dem Montjuïc entgegen, wo am Sonntag sieben Anstiege warten und ein Hügel, der im Juli auch die Tour de France begrüßt.
Pidcock flog in eine Schlucht und flog aus dem Rennen. Die Saison ist lang, das Knie wird kleiner, der nächste Sturz kommt bestimmt – nur hoffentlich mit Kamera und ohne Ballon.
