Piancavallo ruft zurück: landa-geist weht im giro
Ein Jahrzehnt ist vergangen, doch der Name Mikel Landa hallt noch immer in den steilen Anstiegen der italienischen Dolomiten wider. Piancavallo, der Ort seiner triumphalen Solofahrt 2017, kehrt zurück in die Route des Giro d'Italia – und weckt Erinnerungen an einen Tag voller Dramatik, Emotionen und dem Aufstieg eines jungen Fahrers.
Die erlösung nach dem fiasko
Es war ein Giro, der Landa alles abverlangte. Ein Polizeimotorrad hatte seine Ambitionen im Kampf um das Gesamtklassement jäh beendet, ein Schlag, der ihn fast zur Aufgabe trieb. Doch der Baske biss die Zähne zusammen und kämpfte weiter, Tag für Tag, an der Grenze seiner Kräfte. Zweite Plätze am Mortirolo, am Stelvio und in den Dolomiten zeigten seine Entschlossenheit, seine unbändige Willenskraft. Piancavallo sollte die Belohnung sein – und sie kam in Form eines überwältigenden Solos, das ihm den ersten großen internationalen Sieg bescherte.
Der Jubel kannte keine Grenzen, als Landa die Ziellinie überquerte, die Arme gen Himmel reckte und den Sieg dem damals verunglückten Michele Scarponi widmete. Tränen der Erleichterung, Umarmungen und ein Gefühl der Genugtuung erfüllten die Luft. Ein Moment, der für immer in die Geschichte des Giro d'Italia eingehen sollte.

Ein dramatischer tag im kampf um das rosa
Während Landa seinen Triumph feierte, tobte hinter ihm ein heftiger Kampf um die Gesamtführung. Tom Dumoulin verlor das Rosa Trikot nach einem turbulenten Tag, der von einem unglücklichen Abstieg und harten Anstiegen geprägt war. Nairo Quintana nutzte die Gunst der Stunde und übernahm die Führung, während Vincenzo Nibali, Thibaut Pinot, Ilnur Zakarin und Domenico Pozzovivo dicht hinterher lauerten. Der Giro war so lebendig wie nie zuvor, ein Rennen auf Messers Schneide, das in den kommenden Tagen seine dramatische Spitze erreichen sollte.
Die Erinnerung an 2017 ist allgegenwärtig. Jonas Vingegaard trägt heute das Rosa Trikot und kontrolliert das Rennen nach der beeindruckenden Vorstellung von Visma in der Königsetappe. Die Kulisse ist identisch, die Berge ebenso. Doch für viele spanische Fans wird dieser Anstieg immer an den Tag erinnern, an dem Landa seine Grenzen sprengte, seinen Preis fand und Piancavallo zu einem der besonderen Orte seiner Karriere machte. Die Luft knistert förmlich vor Geschichte, und die Frage ist nicht, ob Vingegaard die Herausforderung annehmen kann, sondern ob er den Geist von Landa in Piancavallo spüren wird.
Die Zahlen sprechen für sich: 2017 war das Jahr, in dem Landa seine Klasse unter Beweis stellte. Drei Etappen-Siege im Giro, ein dritter Platz in der Gesamtwertung und der Aufstieg aufs Podest in Mailand. Eine Sammlung, die für einen Fahrer, der immer wieder in den Straßen Italiens seine besten Momente erlebte, von besonderer Bedeutung war.
