Philipsen rächt sich für van der poel und schlägt in wevelgem zu
Jasper Philipsen hat Mathieu van der Poel die Revanche serviert, die der Superstar selbst nicht mehr ergreifen konnte. 240,8 km nach dem Start in Deinze jagte der Belgier in Wevelgem dem fehlenden Klassiker-Sieg hinterher – und landete mit erhobenem Arm vor Tobias Lund Andresen und Christophe Laporte. Die Großen der Saison, van der Poel und Wout van Aert, rollten drei Sekunden später mit leeren Blicken ein. 36 Kilometer Flucht, 36 Kilometer Kino – und am Ende doch nur Statisten.
Der kemmelberg frisst legenden
Am Fuß des Kemmelberg hatten van der Poel und van Aert das Rennen aufgerissen. Zwei Gegner, ein Ziel: weg, weg, weg. Der Vorsprung wuchs auf 25 Sekunden, die Rundfunkstimmen schrien sich heiser, die Masse auf der Straße glaubte an das Duell der Generation. Doch hinter ihnen schwante der Alpecin-Deceuninck-Staffel, dass der Kapitän diesmal keine Beine mehr hatte. „Mathieu meldete schon früher, dass er vom Freitag noch müde ist“, sagte Philipsen später. „Ich war frisch.“
Die Frische war keine Metapher. Van der Poel hatte am Freitag beim E3 Saxo Classic noch 55 Kilometer allein durchs Flandern geprügelt, heute fehlte die letzte Macht. 1.200 Meter vor dem Ziel schnappten die Jumbo-Visma-Jets das Duo, die Fernsehbilder schwenkten auf die Gesichter – zwei Stars, die wissen, dass die Flucht gescheitert ist. Sekunden später schob sich Philipsen an der Bande vorbei, 70 km/h, keine Gnade. Sprintkönig? Mehr: Notnagel, Teamplayer, Gewinner.

Deutsche verpassen anschluss an die weltspitze
John Degenkolb und Nils Politt sahen aus der zweiten Reihe das Spektakel. Platz 14 und 18 – das klingt nach Statistik, ist aber ein Spiegel. Kein Deutscher kam 2024 in Wevelgem ernsthaft vor, wer die Klassiker-Saison verfolgt, weiß: Die Bundesliga auf dem Rad fehlt. Degenkolb hatte 2015 hier noch triumphiert, heute war er auf Fotos kaum mehr zu erkennen. Die Stunde der Belgier, der Franzosen, der Dänen – nur nicht der Deutschen.
Philipsen nahm sich trotzdem die Tribüne. „Ich wollte diesen Klassiker seit Jahren gewinnen“, sagte er, und man hörte die Erleichterung. Für van der Poel bleibt die Rechnung offen: In sieben Tagen kommt die Ronde, Pogacar lauert, die Beine müssen wieder brennen. Und Wout van Aert? Der biss sich auf der Zielgerade auf die Lippe, sein Blick schweifte zur Uhr – 2024, noch kein Gesamtsieg in einem Frühjahrs-Klassiker. Die Saison ist lang, aber die Erinnerung an Wevelgem wird ihm bis Flandern in den Knochen sitzen.
