Pfiffe statt geburtstagslied: matthäus feiert 65. im feindesland
Der Rekordnationalspieler wollte sich das Topspiel zum 65. nicht entgehen lassen – doch die BVB-Fans hatten einen anderen Ton im Sinn. Was mit einem zögerlichen „Happy Birthday“ begann, endete in einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert. Matthäus lächelte, verbeugte sich, nahm es mit der Souveränität eines Mannes, der in 21 Jahren Bundesliga schon jeden Schmäh gehört hat.
Der moment, als dickel die stimme verlor
Stadionsprecher Norbert Dickel hatte die Zaungäste gebeten, mitzusingen. Er wusste, wen er in die Arena holt – und er wusste auch, dass Dortmund-München ein Gefühltiefgewässer ist, in dem jede Geste sofort überschlägt. Die ersten Takte klangen noch schief, aber freundlich. Dann erkannte Block 13, wer da in der Ehrenloge stand, und die Melodie zerbarst in ein gellend „Buh“. Dickel versuchte es mit dem Hinweis, „der Mann hat halt zu lange in München gespielt“. Doch der Spruch war nur noch ein Flüstern im Orkan.
Matthäus selbst griff nach dem Mikro, das man ihm in der Sky-Box entgegenhielt: „Ich nehme die Pfiffe mit – die habe ich mir auch erarbeitet.“ Kein Selfpity, kein Abbitte. Stattdessen ein fast verschmitzter Dank an „die, die trotzdem mitgesungen haben“. Die Kurzform: Er weiß, wie die Rivalität tickt – und er spielt das Spiel mit.

Hsv schenkt trikot statt tränen
Während in Dortmund die Lungenbrandsätze durch die Südtribune gingen, hatte der Hamburger SV längst die Geschenkeparade vorbereitet. Trainer Merlin Polzin schlüpfte in die Rolle des Festredners, überreichte ein Trikot mit der 10 – Matthäus’ Nummer aus der Nationalelf – und einer Fotocollage, die ihn in 24 Duellen gegen den HSV zeigt. „Du bist der Gegner, den wir am häufigsten hatten – und heute bist du unser Ehrengast“, sagte Polzin.
Den Schlusspunkt setzte Autogrammkarten-Kloppi Alexander Rössing-Lelesiit. Der Name ist ein Zungenbrecher, den Matthäus in der Live-Analyse stolpernd mehrfalsch versuchte. Die Karte mit der verschwörerischen Widmung: „Für Lothar – jetzt kannst du mich endlich aussprechen.“
Am Ende steht ein 65-jähriger, der weder die Liebe der Schwarz-Gelben noch die Sympathie der Rothosen braucht, um sich wohlzufühlen. Er hat 150 Länderspiele, sieben Meisterschaften – und jetzt auch ein HSV-Trikot in der eigenen Sammlung. Die Pfiffe verhallen, der Mythos bleibt.
