Pesonen nimmt abschied: «langnau wird immer ein stück heimat bleiben»
Die Anzeigetafel zeigt 60:00, die Lichter dimmen sich, und ein Mann steht allein im Bullykreis. Harri Pesonen atmet tief durch, während 6.400 Stimmen «Har-ri, Har-ri!» skandieren. Für den Finnen war das Spiel gegen Biel nicht einfach nur ein letzter Einsatz für die SCL Tigers – es war die Klimax eines Kapitels, das 2018 begann und sich sechs Jahre später in Tränen auflöst.
«Ich hatte mir geschworen, nicht zu weinen», sagt der 37-Jährige nach der 3:4-Niederlage mit zittriger Stimme. «Aber als die Jungs mich in der Kabine stehen ließen und mir die Kapitänsbinde überreichten, war der Damm gebrochen.»
Die schweren jahre und der fan, der nie flüsterte
Pesonen erinnert sich an die Saison 2020/21, als Langnau mit dem Rücken zur Wand stand. «Wir haben 13 Spiele in Folge verloren, aber die Fans haben nie gebuht. Ein alter Mann kam jeden Freitag zur Halle, stellte sich ans Band und rief: ‹Jungs, morgen wird besser.› Er hatte recht.»
Die Tigers stiegen damals nicht ab, weil der Geist von Sursee am Leben war – jener Geist, den Pesonen mit seiner Arbeitsmoral angefacht hat. 254 NL-Partien, 63 Scorerpunkte, unzählige Blocks, für die er sich Nacht für Nacht auf die Eisfläche schmiss. «Ich bin kein Talent gewesen, ich bin ein Kämpfer. Die Leute haben das gespürt.»

Zukunft offen – aber keine rente in sicht
Ein Karriereende? Fehlanzeige. «Ich fühle mich wie 28, mein Körper lügt nicht», sagt Pesonen und tippt sich gegen die Schlüsselbeinpartie, die er sich 2021 gebrochen hatte. «Zwei Teams aus der NL haben schon angerufen, ein Klub aus Finnland auch. Ich werde nicht für Geld spielen, aber für den Geschmack von Scheibenduft um 19.30 Uhr.»
Seine Frau und die beiden Töchter haben die Koffer noch nicht gepackt. «Wir wissen nur eins: Unseres Haus in Trub bleibt. Hier wachsen die Kinder zur Schule, hier steht mein Holzstapel fürs Leben.»
Beim Verlassen der Halle dreht sich Pesonen noch einmal um, klopft dreimal gegen das Tigers-Logo an der Wand. «Für immer ein Stück von mir», flüstert er. Dann verschwindet er im Flur – nicht als Legende, sondern als Typ, der nie den Betrieb verlassen wird, selbst wenn seine Schlittschuhe irgendwann stillstehen. Die 6.400 in der Ilfisgau-Arena wissen: Sie werden ihn wiedersehen. Vielleicht nicht auf dem Eis, aber ganz bestimmt auf den Rängen, wo dann ein anderer Finne seine Sprache lernen wird.
