Peretz flüchtet aus bayern-falle und wird in southampton zum glücksgriff
Der Mann, den Bayern München nur als Notlösung sahen, hält plötzlich den Schlüssel zum englischen Premier-League-Aufstieg in den Händen. Daniel Peretz, 25, spielt sich in Southampton in einen Rausch – und erzählt dabei, wie sehr ihn München und Hamburg an den Rand der Verzweiflung brachten.
Von der reservistenrolle zum championship-held
Kein einziges Pflichtspiel für Bayern. Kein einziges Spiel für den HSV. Stattdessen: mentale Tiefs, Selbstzweifel, ein halbes Jahr Leihe, die wie ein Abstellgleis wirkte. „Ich hatte viele mentale Schwierigkeiten“, sagt Peretz nüchtern. Was klingt wie ein Standard-Satz, ist bei ihm ein Einstieg in ein Geständnis. Er spricht von Schlafstörungen, von dem Gefühl, „nicht mehr ganz dazuzugehören“, von Gesprächen mit dem Psychologen. Die Münchner Top-Akademie hatte ihn zum Nationaltorwart gemacht, aber auf der ganz großen Bühne blieb er Statist. Erst Southampton öffnete das Fenster.
Seit Januar steht er bei jedem zweiten Spieltag zwischen den Pfosten, kassiert im Schnitt nur 0,8 Tore pro Partie, hält Saints in der Aufstiegszone. Die Fans rufen nach dem Kauf – acht Millionen Euro Ablöse, so der Klubwunsch. Für einen Keeper, der vor sechs Monaten noch mit dem Zweitliga-Koffer nach Hamburg fuhr, ein Lotteriegewinn.

Bayern wird zur schicksalsfrage
Denn zurück liegen zwei Leihstationen, die ihn verändert haben. In München lernte er von Manuel Neuer, dem „GOAT“, wie er sagt, aber lernte auch, dass Liebe einseitig sein kann. „Bayern ist noch in meinem Herzen“, gesteht er, „aber sie entscheiden, nicht ich.“ Neuer, 38, plant keine Rücktrittsrede. Solange die Legende spielt, bleibt der Kasten zu. Peretz’ Vertrag läuft bis 2028 – ein goldenes Gefängnis, wenn sich nichts bewegt.
Die Alternative: Southampton fest verpflichten, endlich den Status des unumstrittenen Nummer-eins-Felds verdienen, mit dem Aufstieg die Premier League erobern. Dort wartet das Geld, die TV-Präsenz, das endgültige Selbstbewusstsein. Peretz lacht, als er an die erste England-Premiere denkt: „Regen, Matsch, 30.000 Kehlen – ich liebe diese Liga, weil sie so intensiv ist.“ Kein Satz klingt so echt wie dieser. Kein Satz sagt so viel darüber, wie sehr er die deutsche Perfektionsmaschinerie hinter sich lassen will.
Am Saisonende fällt die Entscheidung. Southampton will kaufen, Bayern will abwarten, Peretz will endlich dazugehören. Der Torwart, der einst als Notnagel galt, könnte zum Aufstiegshelden werden – und Bayern würde wieder einmal beweisen, dass seine Talente woanders reifer werden als daheim. Die Karriereleiter führt manchmal über Umwege. Für Daniel Peretz heißt der nächste Schritt: England oder erneut Bayern – aber diesmal mit Macht über sein eigenes Schicksal.
