Penalty-held weigand rettet youngster-kader – platz sechs reicht nicht

Die Uhr tickte Richtung 60. Minute, das Ernst-Reuter-Feld kochte, und Justus Weigand bekam den Ball. Keine zwei Minuten später lagen die deutschen Hockey-Männer plötzlich im Penalty-Shootout – und spätestens da war klar, dass der Abend einmal mehr dem 26-jährigen Oscarmacher gehörte. Nach dem 5:4-Sieg im Shootout gegen Argentinien steht der amtierende Welt- und Europameister zwar bei drei Erfolgen in Serie, doch Rang sechs der Pro League hinterlässt einen fahlen Beigeschmack.

Doppelschlag, kollaps, krimi

Benedikt Schwarzhaupt und Jakob Brilla ließen nicht lange nachdenken: Elf und 13 Minuten, zwei Ecken, zwei Tore – 2:0 schien die Welt in Ordnung. Dann kam Della Torre, Domene und Ferreiro. Drei argentinische Schläge, drei Mal zappelte der Ball im deutschen Tor, und plötzlich lag der amtierende Champion mit 2:4 hinten.

Was folgte, war kein Lehrbuch-Hockey, sondern pure Willensleistung. Weigand schraubte sich in der 55. und 60. Minute zweimal zum Abschluss – 4:4. Das Spiel rutschte ins Shootout, und dort trat der Hamburger Polo-Club-Profi an, verwandelte und schickte anschließend seine Kollegen in Jubelpose. Julius Hayner versenkte ebenfalls, und die Berliner Nacht gehörte Deutschland.

Junge truppe, alte baustelle

Junge truppe, alte baustelle

André Henning warnte schon vor Wochen vor den Folgen eines radikalen Umbruchs. Jetzt zeigt sich: Er hatte recht. Acht Siege aus 15 Spielen – die Statistik lügt nicht. Die Pro League ist kein Selbstläufer mehr, auch nicht für eine Mannschaft, die vor wenigen Monaten noch den Titel-Double feierte.

Am Sonntag (12.30 Uhr) kommt Spanien, erneut Berlin, erneut Ernst-Reuter-Feld. Drei Tage zuvor setzte es gegen dieselben Iberer ebenfalls einen Penalty-Erfolg – das Muster ist kein Zufall. Die Defensive wackelt, die Chancenverwertung stottert, nur die Nerven halten. Für die Weltmeisterschaft in Belgien und den Niederlanden (15.–30. August) bleiben gerade mal acht Wochen, um gegen Malaysia, Frankreich und Gastgeber Belgien nicht bloß anzutreten, sondern zu dominieren.

Die wecker ticken lauter

Die wecker ticken lauter

Weigand wird seine Schläger noch öfter schwingen müssen. Henning wird seine Aufstellungen noch öfter umkrempeln. Und die Fans? Die wissen längst: Die neue Generation kann zaubern – aber sie muss es auch liefern. Platz sechs reicht nicht, nicht für einen Anspruch, der bislang nur ein Wort kannte: Titel.