Pellizzari zerbricht am carí: 18 minuten und ein traum
Der Giro d’Italia 2026 hat seinen ersten großen Verlierer gefunden. Giulio Pellizzari explodierte zehn Kilometer vor dem Ziel der 16. Etappe, stolperte als Sechster der Gesamtwertung und landete als Neunzehnter am Fuß des Carí-Finale. 18:02 Minuten lautete die makabre Zahl gegen Jonas Vingegaard. Die Straße nach oben wurde zur Abfahrt in die Tiefe.
Keine beine, keine lügen
«Es war von Kilometer eins hart, und ich hatte einfach nichts in den Beinen – viel zu weit bis zum Ziel», presste der 23-jährige Italiener aus, während seine Atemmaske noch nach jedem Wort verzweifelt Luft schnappte. Der Youngster von Red Bull – BORA – hansgrohe wirkte wie ein gefangenes Tier: müde, sprachlos, aber ehrlich. Keine Ausreden, nur nüchternes Eingeständnis.
Die Zahlen sind gnadenlos: Auf Platz sechs vor der Etappe, 22:38 Minuten Rückstand hinter Vingegaard danach. Die Krankheit, die ihn schon bei Corno alle Scale kostete, hat ihre Spuren hinterlassen. Im Aosta-Tal wirkte er kurz genesen, fuhr mit Captain Jai Hindley im Windschatten der Favoriten. Doch der Carí legte jede Fassade bloß.

Hindley trägt die hoffnung
Während Pellizzari seine Enttäuschung schluckte, rückte Hindley dem Podest ein Stück näher. Dritter in der Etappe, Vierter im Klassement – 33 Sekunden trennen ihn von Thymen Arensman auf Rang drei. Die Strategie bleibt dieselbe: Pellizzari als Leibwächter und Vorbereiter, Hindley als Mann für den Kampf um Rosa.
Pellizzari selbst schöpft noch Kraft aus dem Teamgedanken. «Ich hoffe, dass ich mich an den Ruhetagen erhole. Dann sehen wir weiter, was noch geht», sagte er. Die Worte klingen nach einem Mann, der sich selbst entzaubert hat. Aber sie klingen auch nach einem, der noch nicht aufgegeben hat.
Der Giro schreibt seine Geschichten mit Eiseskälte. Manchmal ist der Held des Vortags der Buhmann des nächsten Tages. Für Pellizzari zählt jetzt nur eins: zwei Tage Ruhe, dann noch einmal Vollgas für Hindley. Die Straße nach Rom ist lang – und sie verzeiht keine Schwäche.
