Pavlović schlägt alarm: „milan-derby ist spiel um leben und tod“

Strahinja Pavlović spricht mit rauer Stimme, und die Worte knallen wie ein Schlag aufs Leder. „Strah heißt Angst“, sagt der Serbe. „Aber ich kenne keine.“ Drei Tage vor dem Mailänder Derby hat der Verteidiger das Spielfeld schon im Kopf: 80.000 Fahnen, ein Tosun, ein Spiel, das keine Rangliste kennt.

Derby-fieber erreicht milanello

Im Trainingszentrum von Carnago hängt die Spannung meterdick zwischen den Trikots von Maldini und Kaká. Pavlović geht daran vorbei, tippt an die Bilder. „Sie haben hier alles gewonnen, und jetzt sollen wir weitermachen“, sagt er. Der 24-Jährige trägt dieselbe Nummer wie einst Nesta, aber sein Blick ist auf den Sturm gerichtet: Lautaro fällt aus, dafür lauert Thuram, und Pulisic wirbelt auf der anderen Seite.

„Christian ist der Schlangenkopf“, lacht er, „er weicht nicht ab, er schlüpft weg.“ Die Analysten von Allegri haben 34 Videos geschnitten, um zu zeigen, wie der US-Boy in der Box den Ball mit der Hacke dreht, statt ihn zu stoppen. „Wenn wir ihn stoppen, stoppen wir die ganze Inter-Seite“, sagt Pavlović. Dabei redet er nicht vom Gegner, sondern vom Kollegen im Training. „Er macht mich besser. Jeder Tag ist ein kleines Derby.“

Serie a? hier gibt es keine pause

Serie a? hier gibt es keine pause

Früher in Salzburg glaubte er, Spitzenfußball zu kennen. Dann kam San Siro. „In der Champions-League-Playoff-Nacht habe ich gespürt, was ein Rasen bedeuten kann. Die Tribüne bebt, und du spürst es in den Knochen.“ Die Curva Sud hat bereits 30 000 Choreo-Tücher bestellt, schwarz-rot, mit der Aufschrift „Strah, keine Angst“. Pavlović wischt sich den Schweiß aus dem Nacken. „Wenn der Referee pfeift, bin ich leer. Keine Songs, keine Namen, nur Zweikampf.“

Die Statistik lügt nicht: Milan gewann fünf der letzten sieben Derbys, obwohl Inter vorne in der Tabelle stand. „Tabelle ist Makulatur“, sagt er. „Derby hat sein eigenes Gesetz.“ Und das Gesetz heißt: Pressing auf Halbzeitlinie, Second-Ball-Kontrolle, Emotion auf Level zehn. „Wir laufen nicht mehr, wir fliegen.“

Gabbia fällt aus – die lücke wird größer

Gabbia fällt aus – die lücke wird größer

Im Kraftraum hängt das Trikot von Mattia Gabbia, still, ohne Körper. Operation am Meniskus, sechs Wochen Pause. Pavlović schickte eine Sprachnote: „Bruder, wir holen dich mit drei Punkten ab.“ Denn ohne Gabbia rückt die Viererkette enger zusammen, Tomori wird Linksfuß, Pavlović bleibt Stopper. „Ich bin bereit, mit dem Kopf zu blockieren, mit der Brust zu klären, mit dem Schienbein zu stehen.“

Am Sonntag um 20.45 Uhr wird die Gewalt legal. 33 Fouls im Schnitt, drei Gelbe, ein Rot in den letzten fünf Duellen. Pavlović kennt die Zahlen nicht, aber er kennt den Geruch von frisch gemähtem Gras und Chlor, der sich mit Rauch vermischt. „Das ist mein Kino. Keine Special-Effects, nur echte Schmerzen.“

Und wenn der Schiri nach 90 Minuten abpfeift, wird der Serbe nicht jubeln. Er wird zu Boden sinken, Luft holen, und wissen: „Strah“ oder nicht – Angst hat ihn nicht gebrochen. Milan bleibt in der Spur, die Champions-League-Rufe werden lauter. Die Saison ist nicht gerettet, aber eine Stadt ist für einen Abend entweder rot oder schwarz. Pavlović trägt Schwarz. Und er trägt keine Angst.