Pavlović bricht weg – kompany muss goretzka-plan b ziehen
Aleksandar Pavlović bleibt in der Kabine. Die Hüfte brennt, der 21-Jährige zuckt mit den Schultern, und schon läuft Leon Goretzka durch den Tunnel. Keine 24 Stunden zuvor hatte Vincent Kompany noch versichert, sein Doppelsechs-Protagonist sei „fit für 90 Minuten“. Die Realität sieht anders aus: Pavlocić fehlt im Top-Spiel gegen Union Berlin – und reiht sich damit in die lange Liste kurzfristiger Ausfälle ein, die Bayern-Intern die Stichworte „Belastungssteuerung“ und „medizinisches Roulette“ laut werden lassen.
Kompany kassiert erste kleine machtprobe
Der Coach hatte die Rotation gefordert, nun bekommt er sie aufgezwungen. Goretzka neben Kimmich ist kein Experiment mehr, sondern Notlösung. Gegen Atalanta hatte Pavlović noch 73 Minuten lang die Tempi geschaltet, dann kam die verräterische Hand an die Hüfte. Die Diagnose: Irritation im ISG-Bereich, Ausfallzeit offen. Für einen Spieler, der diese Saison erst 1.186 Zweikämpfe bestreiten durfte, ist das der nächste Bremsklotz im Aufstieg zum Stammpfosten.
Die Folgen reichen bis Stuttgart und Basel. Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte Pavlović für die Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana – ein Test, ob der Münchner Mittelfeld-Motor endlich Dauerlauf statt Sprintstaffel kann. Fällt er nun aus, öffnet sich das Feld für Angelo Stiller und Robert Andrich, zwei Konkurrenten, die auf ihre Minuten lauern. Die Nationalelf verliert damit ihren jüngsten Ballverteiler, Bayern den Mann, der in der Champions League 91 Prozent Passquote schaffte.

Union wartet auf die goretzka-falle
Für die Köpenicker kommt die Nachricht wie ein Standard, den sie selbst gezogen haben. Trainer Steffen Baumgart analysierte zuletzt 67 Bayern-Spiele mit Pavlović – und nur 12 ohne. Der Unterschied: ohne den 21-Jährigen sinkt die Pressing-Intensität der Münchner um 8 Prozent, Goretzka erobert zwar mehr Bälle, spielt sie aber dreimal öfter nach hinten statt vertikal. Baumgart wird seine Laufwerfer Hollerbach und Skarke instruieren, genau dort zu stören, wo Goretzka sich gern in die Drehung dreht.
Die Aufstellung ist dennoch keine Kopie von gestern. Kompany setzt erstmals in dieser Saison auf Michael Olise links, Kingsley Coman fehlt komplett. Die Zentrale rückt zusammen: Kimmich übernimmt die alleinige Sechser-Steuerung, Goretzka wird zum vertikalen Box-to-Box-Rammbock. Hinten steht Dayot Upamecano vor der Rückkehr in die französische Elf, neben ihm Kim Min-jae, der nach Asien-Reise 48 Stunden weniger Regeneration hat. Die Bank ist kurz: Mathys Tel und Raphaël Guerreiro sind die einzigen Joker mit mehr als 100 Bundesliga-Einsätzen.
Am Ende zählt nur die Tabelle. Mit einem Sieg könnte Bayern auf fünf Punkte an Leverkusen vorbeiziehen – vor dem Top-Spiel nächste Woche. Doch schon heute zeigt sich: Wer den Rhythmus der Saison bestimmen will, muss auch mit dem Rhythmus der Verletzungen leben. Pavlović bleibt draußen, Goretzka tritt ein, Kompany lernt, dass Pläne in der Bundesliga nur so lange halten, wie die Hüfte mitspielt.
