Paul seixas zertrümmert das mauer-paradigma – liege-bastenage-liege zittert
Der Franzose schraubte sich am Mur de Huy in eine Schlagzeile, die niemand vorausbestellt hatte. Elf Sekunden vor dem Sprint lag der 23-Jährige noch im Windschatten, dann zog er durchs linke Geleise, ließ die Klassikerkönige stehen und schickte der Fleche Wallonne eine Warnung: Ich bin längst kein Projekt mehr, ich bin ein Fakt.
Mauro gianetti rechnet mit seixas als neuem störfaktor
UAE-CEO Mauro Gianetti stand zwei Meter hinter dem Zielband, als die Uhr 5:47 h anzeigte. „Er hat alles, was ein großer Champion braucht. Das Team kontrollierte, er finalisierte – das war keine Attacke aus der Hüfte, sondern eine Machtdemonstration“, sagte er dem belgischen Blatt Het Nieuwsblad. Die Zahlen untermauern die Einschätzung: 315 Watt Durchschnitt über 5,5 km, 540 Watt auf den letzten 200 Metern, Herzfrequenz 198. „In diesem Zustand wird er Lüttich mitgestalten, nicht nur mitfahren.“
Seixas selbst wischt die Hochrechnung beiseite. „Sonntag ist ein anderes Gebiet, andere Jungs, andere Rechnung“, sagt er, während er sich ein nasses Handtuch über den Rücken zieht. Die Bescheidenheit täuscht. Wer ihn in den Ardennen-Wochen im Trainingslager von Cala Ratjada beobachtete, weiß: Der Franzose hat die Red Bull-Trainingsdaten von Tadej Pogacar studiert und seine eigenen Soll-Werte um fünf Prozent angehoben. Quälende 4.400 Höhenmeter und elf Anstiege warten in Lüttich – genau das Terrain, auf dem er sich seit Jahren versteckt hat.

Elf hügel, ein anzug und ein déjà-vu für pogacar
Die Côte de la Redoute wird bei Kilometer 222 erneut die Schaltzentrale. 2024 jagte Pogacar dort noch mit 30 Sekunden Vorsprung, diesmal könnte Seixas die Lücke schon bei 15 Sekunden stopfen. „Ich werde nicht warten, bis die Bombe hochgeht“, sagt er. „Wenn die Beine am Morgen kribbeln, zünde ich meine eigene.“
Seine Premiere im Giro di Lombardia endete vor sechs Monaten mit Rang sieben – 37 Sekunden Rückstand. Dieselbe Differenz, die er heute zwischen sich und Remco Evenepoel auf dem Mur de Huy ließ. Die Logik ist simpel: Wer eine Woche später schon zulegt, wird in einem Monat näher dran sein.
Die Uhr tickt. Am Sonntag um 10:15 Uhr rollt das Feld in Bastogne aus. Seixas hat sich ein Hemd ohne Kragen angezogen – kein Zufall. „Ich will nichts, was mich drückt“, sagt er. Kein Sponsor-Logo, keine Aufzählung von Zielen. Nur ein Satz, den er seinem Sportdirektor auf die Scheibe schreiben ließ: „Rouler pour ne plus jamais être inconnu.“ Fahren, um nie wieder unbekannt zu sein. Lüttich wird entscheiden, ob er ab sofort mit dem Kopfnamen Paul genannt wird – oder mit dem Nachnamen Seixas, der künftig für ein neues Mauer-Regelbuch steht.
