Parodist pantani über milan-juve: „spalletti ist volksweisheit, allegri reines charisma“

Ubaldo Pantani kennt beiner Gesichter. Am Samstagabend sitzt er vor dem Fernseher, schlägt die Beine übereinander und wechselt innerhalb von Sekundenbruchteilen zwischen Luciano Spalletti und Massimiliano Allegri. „1:1“, sagt er und lacht, „mehr Risiko trau ich keinem der beiden zu.“

Der mann, der italienischen fußball in einer stimme vereint

Pantani ist kein gewöhnlicher Imitator. Er führt die Nazionale Cantanti, sammelt Stadien wie andere Briefmarken und hat sich mit Subbuteo-Figuren eine zweite Liga aufgebaut. Sein aktuelles Programm „Inimitabile“ war in Mailand binnen Stunden ausverkauft. Jetzt schielt er Richtung Turin. „Da ist noch Luft“, sagt er und meint nicht die Bühne, sondern das Stadion.

Die Rede ist von Allegri versus Spalletti, dem Duell, das die Serie A seit Wochen elektrisiert. Pantani hat beide Trainer jahrelang studiert, ihre Gesten vermessen, ihre Sätze zerlegt. „Spalletti redet wie ein Dorfphilosoph, jeder Nebensatz endet in einem Aphorismus. Allegri dagegen kommt rein, schweigt fünf Sekunden und sagt dann: ‚Milan ist stark.‘ Alle glauben ihm’s.“

Wenn die maske den coach mehr entlarvt als jede pressekonferenz

Wenn die maske den coach mehr entlarvt als jede pressekonferenz

Sein Trick: Er spielt nicht einfach nach, er spielt frei. „Ich sage, was sie nie laut werden dürfen.“ Beispiel Spalletti: „Kalulu ist mein Testimonial. Wenn der Junge plötzlich Flügelstürmer spielt und Weltklasse liefert, war’s keine Taktik, war Seelenmassage.“ Oder Allegri: „Die Leute glauben, ich schicke die Jungs ohne Plan auf den Rasen. Dabei schlafen meine Analysten mit GPS-Tracker.“

Pantani lacht, aber er meint es ernst. „Italiens Fußball steckt in diesen beiden Figuren. Spalletti ist die Volksweisheit, Allegri das Charisma. Zusammen ergeben sie das perfekte Gemisch aus Hirn und Herz.“

Ein blick hinter die kulissen der stimme

Ein blick hinter die kulissen der stimme

Geworden ist die Passion aus Versehen. Vor zehn Jahren stand er bei „Quelli che il calcio“ als Spalletti-Version von „Apocalypse Now“ auf der Bühne, Haare verstrubbelt, Blick abwesend. „Situazioni nebulose“, murmelte er damals. Die Sendung kochte vor Lachen. Seitdem ist er Teil des Spielsplan.

Mit Allegri verband ihn ein einziger Satz. Beim Gran Galà del Calcio trat der Coach auf ihn zu: „Ma te sei quello che ‘mimita?“ Pantani nickte. „Er hatte diesen Blick: halb amüsiert, halb bedrohlich. Genau das habe ich seitdem in jeder Parodie drin.“

Warum 1:1 die einzig wahre prophezeiung bleibt

Warum 1:1 die einzig wahre prophezeiung bleibt

Für Samstag prophezeit er ein Spiegelbild. „Beide Teams lassen kaum Räume, beide Trainer hassen Ballverluste über die Außenbahn. Die Tore fallen spät, vielleicht aus einem Standard, vielleicht aus einem individuellen Fehler.“ Er macht eine Pause. „Oder es bleibt beim 0:0 und die Liga schreit wieder nach mehr Spektakel.“

Dann wird er zum Spalletti, stemmt die Hände in die Hüfte: „Taktik ist wie Liebe. Wenn du’s erklärst, hast du schon verloren.“ Sekunden später ist er Allegri, zieht die Augenbrauen hoch: „Wir sind hier nicht in der Oper, wir sind im Fußball. Punkt.“

Pantani lehnt sich zurück. „Das Schöne: Am Ende gewinnt immer der, der besser lügt. Und das kann ich.“