Paris zieht in kvitfjell den zahn: doppelpack zum 26. weltcupsieg

Dominik Paris ist nicht müde zu werden. Mit 36 Jahren, zwei Touren nach seiner Knie-Operation, jagt er in Kvitfjell die nächste Bombe. Samstag Abfahrt, Sonntag Super-G – beide Male steht der Südtiroler ganz oben. 26. Weltcupperfolg, achter Sieg auf dieser Piste. Die Konkurrez blickt nur auf Staub.

Ein wochenende, das italiens ski-welt erschüttert

Paris lässt Vincent Kriechmayr um sieben Hundertstel hinter sich, Raphael Haaser wird Dritter. Giovanni Franzoni landet auf Rang fünf, hält sich in der Disziplinen-Wertung mit 285 Punkten knapp hinter Paris. Die Botschaft: Italiens Speed-Herren sind zurück – und sie kommen in Breitseite.

Doch das war’s noch nicht. Laura Pirovano gewinnt die Damen-Abfahrt, Sofia Goggia sichert sich im Super-G die kleine Kristallkugel. Vier Rennen, vier italienische Siege. Statistiker wühlen in den Archiven: So etwas gab es seit dem legendären Weekend von 1975 nicht mehr.

Paris’ geheimnis: „ich kenne jeden stein“

Paris’ geheimnis: „ich kenne jeden stein“

Der Mann aus St. Christina erklärt den Erfolg lapidar: „Wenn du hier seit 15 Jahren trainierst, weißt du, wo der Schnee bröckelt.“ Kvitfjell ist seine Hausstrecke, 1.800 Meter Überhöhung, 65 Prozent Gefälle. Wer hier gewinnt, dem traut man auch in Saalbach alles zu. Paris selbst schiebt es auf „Gefühl und Nerven“, Analytiker sprechen von einer Geschwindigkeit von 122 km/h in der Hanget-Kurve – ohne Sicht, aber mit maximaler Risikobereitschaft.

Seine Teamkollegen jubeln, wissen aber: Die Saison ist noch lang. In der Gesamtwertung führt Marco Odermatt unangefochten mit 425 Punkten. Paris liegt mit 257 Zählern auf Platz fünf, hat aber die größten Saisonziele klar vor Augen: „Die WM in Saalbach ist mein Fokus. Alles andere ist Bonus.“

Franzoni mit wehmut, casse mit richtung

Franzoni mit wehmut, casse mit richtung

Giovanni Franzoni schüttelt den Kopf: „Ich wollte das Podest in der Disziplinen-Wertung, heute war es knapp.“ Dennoch: Rang vier und fünf in den Speed-Klassierungen – das ist für den 27-jährigen Emilianer ein Karriere-Halbjahreszeugnis. Mattia Casse kommt als Neunter, Guglielmo Bosca als Zwölfter. Christof Innerhofer, einst der Shootingstar, wird 18. und spricht offen von „Rückschlägen, die mich hungriger machen“.

Die Tageszahlen sprechen Bände: 1,42 Sekunden Rückstand reichen im Weltcup für Platz neun. Die Gruppe der Verfolger wird enger, die Unterschiede kleiner. Wer hier mithalten will, muss bei 90 Prozent Luftwiderstand und 3 G-Seitenbeschleunigung noch die Kante finden. Kurz: Der Speed-Sport wird jünger, schneller, gnadenloser.

Fazit: ein alleinunterhalter namens paris

Während andere über Alter und Motivation rätseln, liefert Paris Antworten auf der Piste. 26 Weltcupsiege – das reicht für die Ewigkeit, reicht aber nicht für Selbstzufriedenheit. Seine nächste Mission: Saalbach 2025. Dort will er endgültig die letzte weiße Flecke auf seiner Palmares-Liste auslöschen. Und wenn er dann wieder jeden Stein kennt, wird niemand mehr überrascht sein.