Paralympics 2026: deutschland jagt gold – und forster zieht die fäden
Mailand/Cortina – 40 Athleten, acht Guides, ein Ziel: Gold. Die deutsche Delegation startet heute in die Paralympics 2026, und schon vor dem ersten Startsignal kocht die Arena. Anna-Lena Forster schraubt ihre Ski in der Warm-up-Zone, Marco Maier checkt die Bindung seines Langlaufboards. Kein Lächeln, nur Fokus. Die Italiener haben ihre Hausaufgaben gemacht – und einen Diebstahl zu verzeichnen: Zwei Curling-Steine verschwanden, Ersatz kam aus Lausanne. Die Stimmung? Elektrisch.
Forster, maier, wedde – das trio, das die medaillenwaage kippen kann
Betrachtet man die Formkurve, liegt Forster vorn. Die 27-Jährige aus Baiersbronn holte 2022 in Peking drei Mal Edelmetall. Ihre Slalom-Linie ist seitdem aggressiver, die Kantenwechsel um Millisekunden schneller. „Wir haben die Ski mit zusätzlichem Carbon verstärkt“, flüstert ihr Servicemann. Die Konkurrenz schaut. Auch Maier reist nicht als Tourist: Im Weltcupfinale in Sapporo fuhr er die 7,5 km im Sitzen in 20:23 min – nur drei Sekunden hinter dem Kanadier Nachtigal. Eine Sekunde pro Kilometer mehr, und die Karte liegt offen.
Die größte Unbekannte: das Para-Eishockey. Jörg Wedde und die IceBites haben sich im Trainingslager in Österreich auf Kunsteis vorbereitet – ein Luxus, den es vor fünf Jahren noch nicht gab. Die Physiologen des DBS messen Laktatwerte nach jedem Drittel, die Daten fließen live ins Tablet auf der Bank. Weddes Kommentar: „Wenn wir nicht in der Vorrunde gegen Kanada führen, haben wir versagt.“ Keine Rhetorik, sondern Kampfansage.

Medaillenkalender: diese tage entscheiden über jubel oder tränen
Am Samstag, 7. März, um 10:15 Uhr startet Forster im Slalom der Klasse LW 3-1. Die Streif ist kurz, die Tore eng. Schafft sie den Sprung aufs Podest, zieht das Team die mentale Schneekette durch. Am 9. März folgt Maier über 10 km Langlauf – seine Paradedistanz. Die Wetter-App zeigt minus zwölf Grad an, ideale Bedingungen für seine Kälteresistenz, die er in Oberhof trainiert hat. Und am 11. März treffen die IceBites in der Gruppenphase auf die USA – ein Duell, das sich wie ein Finale anfühlt, obwohl erst der Viertag ist.
Die Chancen? Realistisch. Der DOSB rechnet intern mit fünf Gold, neun Edelmetallen insgesamt. Die Quote lag 2022 bei vier. Die Spanne ist klein, die Fehlerquote muss es auch sein.

Curling-drama, verschwundene steine und ein hauch von dolce vita
Während die Alpin-Truppe im Hochleistungslager von Sestriere noch einmal die Kanten schleift, sorgt der Curling-Wettbewerb für Schlagzeilen. Italien schlug Südkorea – mit einem Ersatzstein, der aus dem Weltverlagslager stammt. Die Carabinieri sichern inzwischen die Bahn, die Organisatoren lachen: „Wir haben genug Reserve, auch wenn wir dafür einen Marmorblock aus Verona umschmelzen mussten.“ Die Atmosphäre bleibt locker, doch hinter den Kulissen läuft ein Sicherheitsprotokoll auf Hochtouren. Kein Stein mehr unbeaufsichtigt.
Für die deutschen Athleten ist das Nebensache. Sie wollen sich nicht ablenken lassen, weder von Diebstählen noch von dem Aperol-Sprühregen, der über Cortina liegt. Die Konzentration ist greifbar, selbst im Shuttlebus herrscht Stille. Nur der Fahrer summt „Volare“ – und schaltet runter, weil die Gänge der Karawane vor ihm stocken.

Fazit: jetzt zählt nur noch die zeit zwischen den toren
Die Paralympics 2026 sind kein Fest der Teilnahme mehr, sondern ein hochtechnisierter Wettstreik. Deutschland reist mit Datenbrillen, individuellen Ski-Flex-Index und Taktik-Apps an. Was bleibt, ist der alte Sport-Kern: Wer zuerst durchs Ziel brettert, bekommt den Kuss der Medaille. Forster weiß das, Maier auch. Und wenn sie ihre Beine, Arme und Sitze richtig einsetzen, könnte schon am ersten Rennen die deutsche Fahne im Wind von Cortina wehen. Kein „Wenn“, nur ein „Wann“.
