Paralluelo schreibt barça-geschichte: 4:2 gegen bayern und die sechste finalserie
Salma Paralluelo lachte, wischte sich aber trotzdem den Schweiß von der Stirn. 4:2 gegen den FC Bayern, Platz im Champions-League-Finale – und trotzdem war die Stimme der 20-Jährigen nach dem Schlusspfiff heiser vom Anfeuern und Erleben. „Ein Finale erreicht man nicht mal eben“, sagte sie im Mixed Zone-Tunnel des Spotify Camp Nou. „Das ist harte Arbeit, Woche für Woche.“
Ein tor, eine vorlage und ein spielplan, der den bayern das genick brach
Die Aragonesin hatte alles in einem Paket geliefert: Das 1:0 nach sieben Minuten, die Balleroberung und der Steilpass zum 3:1 – und damit die taktische Landkarte von Trainer Pere Romeu in Perfektion umgesetzt. „Wir wussten, dass München das Zentrum dicht macht. Die Lücke musste außen kommen, ich soll die Kette lockern“, erklärte Paralluelo. Ihr Lauf, ihr Tempo, ihre Direktheit. Die Münchner Abwehr rutschte bei jedem Konter einen halben Meter tiefer ins eigene Strafraumzentrum, bis kein Vor- und Zurück mehr ging.
Die Zahlen sprechen klar: Barcelona warf in der ersten Hälfte 14 Schüsse ab, traf vier Mal den Kasten – Effizienz, wie sie selbst männliche Top-Teams neidisch macht. Bayern? Nur zwei Torschüsse in Durchgang eins, beide geblockt. „Wenn wir so verteidigen, sind wir fast nicht zu schlagen“, schwärmte Paralluelo. Fast.

Nachspielzeit, pulsschlag 180: das annullierte tor und die 90.000, die niemand mehr sitzen sahen
Denn der deichende Schlussspurt der Bayern wurde zur Zitterpartie. Lea Schüller köpfte in der 92. Minute zum vermeintlichen 4:3 ein, doch Schiedsrichterin Riem Hussein zog wegen Foulspiel an Lucy Bronze zurück. „Da schlägt dir das Herz bis zum Hals“, gab Paralluelo zu. „Aber das Stadion hat uns wieder hochgezogen. Die Wellen aus der Tribüne – unbezahlbar.“ 91.553 Zuschauer, Rekordbesuch in der Frauenkönigsklasse, schrien sich in dieser Szene heiser. Die Spielerin selbst klatschte in Richtung Südkurve, als wolle sie das ganze Camp Nou in ihre Lunge saugen.
Die Szene war symptomisch für Barças Saison: kurz wackeln, dann doch stehen. Seit 2019 stehen die Katalaninnen jedes Jahr im Finale – keine andere Mannschaft schaffte das zuvor. „Wir reden hier nicht über Routine, wir reden über Mentalität“, präzisierte Paralluelo. „Jedes Jahr bei Null beginnen, egal wie viele Titel im Schrank stehen.“

Pere romeus geheimwaffe heißt geschwindigkeit – und sie trägt nummer 17
Trainer Romeu hatte Paralluelo überraschend von Anfang an aufgeboten, statt wie im Viertelfinale auf die Startelf zu verzichten und sie als Joker einzuwechseln. Die Entscheidung erwies sich als Meisterzug. „Salma zwingt gegnerische Ketten, sich zu spalten. Das öffnet Räume für Graham Hansen oder Bonmatí“, analysierte Romeu hinterher knapp. Die Statistik bestätigt: Barça erzielte in den 78 Minuten mit Paralluelo auf dem Platz 3,1 erwartete Tore (xG), ohne sie nur 1,7.
Für die Angreiferin persönlich war es der doppelte Befreiungsschlag: Nach ihrem Kreuzbandriss im vergangenen Sommer kam sie erst im Februar zurück. „Solche Abende machen die ganzen Reha-Einheiten wett“, sagte sie. Ihr Blick schweifte kurz zu ihrem linken Knie, dann wieder in die Kameras. „Ich will weitermachen. Nächstes Ziel: den Pokal holen. Punkt.“
Am 25. Mai trifft Barcelona im Finale in Bilbao auf Olympique Lyon – Rekordsieger gegen Rekordfinalistin. Wer auch nur einen Hauch Zweifel verspürt, sollte sich das Video von Paralluelos Sprint ansehen, als sie nach dem 4:2 den Ball vor dem linken Flügel festhielt, die Uhr runterlief und drei Bayern-Damen stehen ließ. Keine Show, pure Energie. Wenn das kein Statement ist – was dann?
