Panini-hype: milliarden-geschäft und juristischer kampf um die wm 2034
Die Fußball-Welt hält den Atem an – und die Sammler die Hände über den neuen Panini-Alben. Bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft dreht sich alles um das bewährte Ritual: das Tauschen, Sammeln und Vervollständigen. Doch hinter der nostalgischen Oberfläche verbirgt sich ein milliardenschweres Geschäft, das nun durch einen juristischen Kampf um die Zukunftsarrechte erschüttert wird.
Ein globales phänomen mit rekordumsätzen
Seit 1970 ist die Panini-WM ein fester Bestandteil des Fußballerlebnisses. Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Für die diesjährige Ausgabe wird ein Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro erwartet. Ein beachtlicher Wert, der durch die zunehmende Popularität des Sammelns und Tauschens befeuert wird. Der Investmentbank Morgan Stanley schätzt den globalen Markt für Sammelobjekte sogar auf stolze 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Die Dimension ist schlichtweg beeindruckend: Schätzungsweise 500 bis 800 Millionen Alben, 35 Millionen Exemplare und unglaubliche 7 Milliarden Sticker werden weltweit in Umlauf gebracht. Besonders in Lateinamerika, wo der Fußball eine Religion ist, erlebt der Panini-Hype einen regelrechten Boom. Die Region macht bereits 10 Prozent des Panini-Umsatzes aus, wobei Länder wie Brasilien, Argentinien, Kolumbien und Chile die Nase vorn haben. Wie Milton Benítez, der kaufmännische Leiter von Panini in Chile, betont: „In Ländern wie Kolumbien erlebt der Fußball gerade eine glorreiche Zeit. Brasilien und Argentinien sind schlichtweg WM-Tradition – der Fußball wird hier in jeder Ecke gelebt.“

Chile trotzt der nicht-teilnahme
Selbst Chile, das in diesem Jahr nicht am Turnier teilnimmt, hat sich dem Sammelfieber angeschlossen. Der Erfolg der „goldenen Generation“, die 2015 und 2016 die Copa América gewann, schürt die Nostalgie und animiert zum Tauschen und Sammeln. „In Jahren ohne Copa América oder WM teilt sich die Arbeit um ein Vielfaches“, erklärt Benítez. In Chile könnten sogar über 30 Millionen Sticker verkauft werden, was einem Wachstum von 100 Prozent im Vergleich zur letzten Weltmeisterschaft entspräche.

Vom simplen album zum exklusiven sammlerstück
Das Panini-Album hat sich seit 1970 enorm weiterentwickelt. Was damals 50 Seiten und 271 Sticker umfasste, ist heute ein 120-seitiges Werk mit 980 Stickern. Besonders begehrt sind die speziellen Sticker in vier Farbvarianten mit Prägung, die nur alle 100 Sticker auftauchen. „Wir haben festgestellt, dass Sammler Produkte schätzen, die etwas Besonderes und Exklusives sind“, so Benítez über die Edition mit einem goldenen Messi-Sticker als wertvollstem Objekt.
Tauschbörsen und kreative geschäftsmodelle
Der Tauschhandel hat längst die Straßen erobert. In Santiago de Chile kamen über 8.000 Fußballfans bei der „Cambiatón“ zusammen, um ihre Sticker zu tauschen. Julio Malvino, ein erfahrener Sammler, tauscht und verkauft seit 44 Jahren Sticker an seinem Stand. Täglich bedient er rund 1.000 Kunden, die ihm bereits früh am Morgen mit leeren Alben entgegenfiebern. Ein komplettes Album zu kaufen, würde hier rund 335 US-Dollar kosten – eine Summe, mit der man bestenfalls die Hälfte füllen könnte.
Ein junger Unternehmer, Franco Rivera, hat das Geschäftsmodell perfektioniert: Er investiert täglich rund 123 US-Dollar in Sticker und hat an einem Tag bereits 335 US-Dollar verdient. Mit einer 3D-Drucker fertigt er eigene Sammelboxen für bis zu 400 Sticker – ein Beweis für die Kreativität und den Unternehmergeist, die der Panini-Hype freigesetzt hat.
Juristischer kampf und die zukunft von panini
Während der Panini-Hype ungebremst weitergeht, tobt im Hintergrund ein juristischer Kampf. Die FIFA hat die Rechte für die WM-Alben an den US-amerikanischen Konzern Fanatics vergeben, was Panini vor eine Zwangslage stellt. Der Bundesgericht in New York ist noch nicht zu einer Entscheidung in dem von Panini erhobenen Antrags auf Wettbewerbsverzerrung gekommen. Panini konzentriert sich indes auf andere Lizenzen, wie Netflix oder Disney. Das Unternehmen blickt optimistisch in die Zukunft und plant bereits das nächste große Turnier, bei dem Panini sein 60-jähriges Jubiläum feiern kann. Der Kampf um die WM-Rechte mag andauern, doch die Leidenschaft der Sammler bleibt ungebrochen.
