Palou verspielt indy-gp-sieg nach regie-panne – lundgaard jubelt

Álex Palou war der Schnellste auf dem Indianapolis-Road-Course, führte souverän – und durfte trotzdem nicht aufs oberste Podest. Eine verunglückte Caution-Entscheidung warf den Spanier samt Kyle Kirkwood in die Verlierer-Riege, während sich Christian Lundgaard undDavid Malukas ihren ersten IndyCar-Sieg mit aktuellem Team erkämpften.

Die szene, die alles zerlegte

Runde 22. Alexander Rossis Carpenter-Chevy verabschiedet sich auf der Start/Ziel-Geraden. 300 km/h rasen neben dem stehenden Auto vorbei – eine Vollgeld-Caution liegt auf der Hand. Die Rennleitung zückt aber nur die Local Yellow. Rossi schreit ins Funkgerät, steigt aus, winkt wütend. Drei Konkurrenten nutzen das Zeitfenster für einen frühen Stopp. Palou und Kirkwood bleiben draußen. Sekunden später fällt die endgültige Caution – zu spät. Beide müssen am Ende des Feldes wieder einfahren, ihre Siegchancen sind futsch.

Was folgt, ist ein Aufbäumen mit zwei Gesichtern. Kirkwood jagt wie ein Berserker durchs Mittelfeld, verheddert sich aber im Traffic. Palou trägt harte Reifen, bleibt stecken, verliert zusätzlich Zeit. Das Ganassi-Brainstorming bringt die Rettung: Runter von den Härten, frische weiche Reifen, raus aus dem Stau. Kirkwood kopiert die Taktik – und erwischt wieder einen miesen Stopp. Das Andretti-Team braucht zu lang, der Tankdeckel hakt, der Traum zerplatzt.

Lundgaard nutzt die gunst der stunde

Lundgaard nutzt die gunst der stunde

Vorne entbrennt ein Zweikampf ohne Sieger-Erfahrung. Lundgaard vs. Malukas, McLaren vs. Penske. Die beiden jagen sich Runde um Runde, berühren sich bei 280 km/h fast die Räder. Dann der entscheidende Stich: Lundgaard surft im Anschluss an die letzten Boxenstopps hinter Malukas, zieht innen vorbei, weg ist er. Penske hatte seinen Mann eine Runde zu spät hereingerufen – das kostet wertvolhe Sekunden.

Hinterher jubelt der Däne, aber seine Stimme klingt beinahe entschuldigend: „Ich weiß, wie sich Álex fühlt. Wir haben heute Glück gehabt, nächstes Mal ist er wieder der zu schlagende Mann.“

Palou remontiert auf Platz fünf, sammelt gerade noch die nackten Punkel. Kirkwood wird Neunter. Zwischen den beiden liegen jetzt 27 Zähler – ein kleines Universum in einem Meisterschaftskampf, der erst zwei Runden alt ist.

Blick nach vorn: 500 meilen, null gnade

Blick nach vorn: 500 meilen, null gnade

Die IndyCar-Saison macht keine Pause. Bereits am Dienstag rollt auf dem Oval die erste Trainingsstunde für die 500 Miles of Indianapolis. Palou wird mit dem Road-Course-Debakel im Gepäck anreisen – und mit der Gewissheit, dass er das schnellste Auto besitzt, wenn die Rennleitung mitspielt. Kirkwood muss seine Boxencrew zusammenschweißen, sonst bleibt er der ewige Hinterbänkler. Lundgaard und Malukas dürfen sich endlich Sieger nennen, wissen aber: Auf dem Superspeedway zählt ein ganz anderer Kalender.

Die 106. Ausgabe des klassischen Spektakels startet am 24. Mai. Bis dahin sind es noch 14 Tage voller Set-Up-Glossar, Windkanal-Berichte und Nervenkrieg. Für Palou heißt es: Startblock zerstören, vorne wegziehen – und hoffen, dass diesmal kein gelbes Tuch aus der Tasche kommt, wenn er schon vorbeigerauscht ist.