Palladino räumt ein: italien spielt in der champions league nur noch nebenrolle

Der Atalanta-Coach sprach keinen Satz mehr über Taktik. Nach dem 2:10 gegen den FC Bayern stand Raffaele Palladino da, schob die Hände in die Taschen und erklärte ein ganzes Land zum Absturz: „Wenn wir gegen diese Mannschaften spielen, scheint es, als würden sie eine andere Sportart ausüben.“

Die serie a schläft, europa sprintet

Die Zahlen sind so brutal wie die Worte. Acht Tage, zwei Spiele, zehn Gegentore. Atalanta war die letzte italienische Hoffnung, jetzt ist das Land raus aus dem Champions-League-Rennen. Kein italienisches Team landete in der Gruppenphase unter den besten Acht, alle mussten die Play-off-Runde quälen. Inter, Juve, Napoli – alle scheiterten. Besonders bitter: Inter, Tabellenführer der Serie A, flog gegen den norwegischen Außenseiter Bodø/Glimt raus (2:5).

Palladino zog die Reißleine. Er fordert ein System-Update, von der U-9 bis zur Profi-Mannschaft. „Wir fördern nicht genug den individuellen Aspekt“, sagte er. Gemeint ist: In Italien wird noch Struktur gelehrt, in Deutschland, England oder Spanien wird Geschwindigkeit und Kreativität trainiert. Das Ergebnis sieht man auf dem Platz. Die Bayern sprinten 35 Meter, um eine Pressfalle zu stellen – und drei Atalanta-Spieler stehen noch in der Mittellinie.

Nationale tragödie mit ansage

Nationale tragödie mit ansage

Der Absturz ist kein Ausrutscher. Seit dem WM-Triumph 2006 hat Italien keine einzine KO-Partie bei einer Weltmeisterschaft gewonnen. Dreimal in Folge droht nun das Scheitern in der WM-Quali. Die Play-offs gegen Nordirland werden zum Jungfernstich. Kein Wunder, dass Palladino von einem „Manko unseres Fußballs“ spricht. Die Serie A mag noch lukrativ sein, aber sportlich ist sie längst zur Zweitliga-Show Europas verkommen.

Die UEFA-Koeffizientenliste spiegelt den Verfall: 2012 lag Italien noch auf Platz 1, heute sind es fünf Länder mit besserem Ranking. Die Fernsehgelder sind weiterhin gigantisch, doch was nützen 80 Millionen Euro Jahresprämie, wenn man in München 0:4 zur Pause steht?

Bayern-Boss Max Eberl konterte nach dem Schlusspfiff nüchtern: „Wir haben nur das umgesetzt, was wir trainieren.“ Keine Arroganz, nur Tatsache. Die deutsche Liga liefert seit fünf Jahren mindestens ein Team im Viertelfinale, die italienische liefert seit fünf Jahren Diskussionsstoff für Talkshows.

Palladino wird die Nacht nicht schlafen. Er weiß: Die Demütigung gegen Bayern ist kein Einzelfall, sondern ein Spiegel. Italien muss umdenken, sonst wird die Champions League zur Dauerkatastrophe. Die Uhr tickt – und sie läuft schneller als jede italienische Pressfalle der letzten Jahre.