Padua wirft youngtimer raus: nur echte klassiker dürfen 2027 zelebrieren

50 Jahre oder raus. Das ist das neue, brutale Gesetz, das von 26. bis 28. Februar 2027 über die Freilande der Fiera di Padua herrscht. Dann öffnet Padua Only Classics die Pforten – ein Festival für Chrom, Karburatoren und Patina, das sich demonstrativ von den Instagram-geeigneten Youngtimern der vergangenen Jahrzehnte abgrenzt.

Der kulturschock, den die szene braucht

Der kulturschock, den die szene braucht

Intermeeting und BolognaFiere haben die Cut-off-Marke auf 1977 gezogen. Eine klare Kampfansage an die Szene: Wer nach 1977 geboren wurde, bleibt vor der Tür. Kein Turbo, kein Katalysator, kein ABS – nur noch reine Mechanik und die Duftnote von Leder und Benzin. Für Mario Carlo Baccaglini, vier Jahrzehnte lang Motor der legendären „Auto e Moto d’Epoca“, ist dieses Comeback ein persönlicher Ritterschlag. „Padua hat diese Veranstaltung verdient“, sagt er knapp. Die Stadt kennt das Geschäft: Hunderte Karosseriewerkstätten, Spezialisten für Weißmetallgleitlager und Polsterer, die noch mit Originalstepp nähen.

Die wirtschaftliche Logistik dahinter ist simpel. BolognaFiere bringt die globale Infrastruktur, Padua liefert das Publikum. Antonio Bruzzone, CEO der Messegruppe, spricht offen von „qualifizierten Communitys“ und „Wertschöpfung entlang der gesamten Kette“. Übersetzt: Ein 1938er Alfa 8C im Concours-Zustand generiert Werkstattumsätze, Versicherungsprämien und Auktionsgebühren – ein VW Golf 16V G60 tut das nicht.

Die FIVA, der internationale Dachverband historischer Fahrzeuge, steigt sofort ein. Ihre Präsenz unterstreicht, dass es hier nicht um nostalgische Oldtimer-Romantik geht, sondern um Kulturgut auf Rädern. Luciano Rizzi, Geschäftsführer von Intermeeting, nennt das Format „komplementär und unverwechselbar“. Gemeint ist: Zwischen Monterey und Goodwood klafft eine Lücke, die Padua nun füllt – mit italischem Design-Feingefühl und dem Charme der venetischen Architektur.

Die Zahlen sprechen für sich. Der letzte „Auto e Moto d’Epoca“-Besucherzähler in Bologna stoppte bei 150 000 Eintritten. Padua rechnet konservativ mit 60 000, doch jeder von ihnen soll ein Vielfaches ausgeben. Hotelzimmer in Abano Terme sind bereits für 500 Euro pro Nacht gebucht, Restaurants in der Altstadt führen Wartelisten. Sergio Giordani, Bürgermeister der Stadt, spricht von einem „Indotto da capogiro“ – einer Nebenwirtschaft, die schwindelerregend wirkt.

Die Auswirkungen sind längst spürbar. Ein lokaler Restaurator berichtet von drei neuen Vollzeitstellen, ein Händler für NOS-Zylinderköpfe hat seine Lagerbestände verdoppelt. Selbst die Universität Padua bietet ab Wintersemester 2027 ein Zertifikatsstudium „Konservierung historischer Automobiltechnik“ an. Die Fakultät für Ingenieurwissenschaften sieht darin ein „living lab“, das Studenten mit Originalbauteilen arbeiten lässt.

Die Message an den Markt ist unmissverständlich: Wer künftig mit Oldtimern Geld verdienen will, muss sich auf das Spiel der Seltenheit einlassen. Youngtimer bleiben zwar handelbar, aber sie rutschen in die anonyme Masse. Der 50-Jahre-Schnitt dagegen schafft eine neue Oberschicht. Ein 1955er Mercedes 300 SL wird dort stehen, wo einst ein 1989er Porsche 911 G50 neben einem Mazda MX-5 parkte. Die Fluktuation ist weg, der Wert ist fixiert.

Am Ende zählt ein Satz, den Baccaglini murmelt, während er über das noch leere Gelände blickt: „Storia non è nostalgia, è capitale.“ Geschichte ist kein Jucken im Retro-Nerv, sie ist Vermögen. Wer das kapiert, kauft jetzt. Die anderen können 2027 vor verschlossenen Toren stehen und durchs Gitter schauen – auf Chrom, das nie wieder trüb wird.