Pablo longoria verlässt marseille: nach fast sechs jahren ist schluss
Es ist offiziell: Pablo Longoria ist nicht mehr Präsident von Olympique Marseille. Der Spanier und der französische Klub einigten sich am frühen Morgen auf eine Trennung, die seit Wochen in der Luft hing. Mit 40 Jahren übernahm Longoria eine angeschlagene Institution – und verlässt sie nun als gestählter Top-Verein, obwohl kein einziger Titel gewonnen wurde.
Ein machtwechsel mit methode
Die Marschrichtung war klar: Longoria sollte die sportliche Misere der Jahre 2012 bis 2021 beenden. Er setzte auf eine durchdachte Personalstruktur, holte Spieler wie Alexis Sánchez oder Pierre-Emerick Aubameyang und stellte den Kader auf Dauerleistung um. Dabei achtete er penibel auf die Finanzregeln der UEFA – ein Balanceakt angesichts der gigantischen Ausgaben von Paris Saint-Germain.
Der Klub schaffte es in dieser Zeit, sich konstant für Europa zu qualifizieren: drei Mal Champions-League-Achtelfinale, zwei Mal Europa-League-Halbfinale. Das mag keine Pokale sein, aber es stabilisierte die Einnahmeseite und erhöhte die Markenwerte. Sponsoren wie Uber Eats oder Dailymotion blieben an Bord, neue Kameras und Datenanalysten zogen ein.

Kein pokal, aber eine klare philosophie
Longorias größter Erfolg liegt im Verborgenen: die Jugendakademie. Er modernisierte das Trainingsgelände, verpflichtete Scout-Netzwerke in Afrika und Südamerika und etablierte ein Rotationsprinzip, das Talente wie Chancel Mbemba oder Valentin Rongier zu Leistungsträgern machte. Die Transfersummen sanken, der Marktwert der eigenen Talente stieg – ein Effekt, der sich in den Bilanzen als Gewinn ausweist.
Auch die Beziehung zur Fanszene pflegte er mit kleinen, aber wirkungsvollen Gesten: Fanbeiräte, kostenlose Busreisen zu Auswärtsspielen, ein „OM in der Stadt“-Programm, das Jugendmannschaften in sozialen Brennpunkten betreut. Die Stimmung im Stade Vélodrome blieb trotz sportlicher Trockenheit explosiv.
Jetzt übernimmt der bisherige Sportchef Javier Ribalta kommissarisch die sportlichen Fäden. Die Frage ist nicht, ob Longoria Erfolg hatte – sondern wie lange Marseille braucht, um dieses Erbe zu vergolden. Die Zahlen sprechen für sich: 280 Millionen Euro Spielerwertzuwachs, 65 Prozent Eigenkapitalquote, ein Etat, der ohne externe Kredite auskommt. Wer das als Nichts abtut, versteht nichts vom modernen Fussballgeschäft.
