Ovechkin nagelt nummer 1000: gretzkys letzte bastion wackelt

Die rote Lampe flackerte zum 1000. Mal in der Karriere von Alexander Ovechkin. Mit seinem Backhand ins obere rechte Eck gegen Colorado hat der Russe jetzt auch die Playoff-Tore in die Gesamtrechnung eingeschlossen – und Wayne Gretzkys scheinbar unantastbare Marke von 1016 Treffern im Blick. Noch 16 Schlag, dann ist „The Great One“ nur noch „The Second One“.

Die zahlen, die washington in schweiß baden

923 Tore in 1 302 Hauptrundenspielen, 77 in 141 Playoff-Partien – seit 2005 sammelt der 40-Jährige mit der Präzision eines Uhrwerks. Dabei war der Rekordjagd ein 18-monatiges Verletzungs-Desaster zwischen 2022 und 2024 beinahe zum Verhängnis geworden. Ovechkin kam zurück, baute seine Schussfrequenz auf 4,8 Versuche pro Partie aus und schraubte sich in 82 Spielen von 853 auf eben jene 923 regulären Saisontreffer. Die Playoff-Lücke blieb – bis Sonntag.

Die Capitals verloren zwar 2:3 nach Verlängerung, rutschen auf den letzten Wildcard-Platz der Eastern Conference. Doch die Punkte-Resttabelle spricht für Ovechkin: Elf Partien, zwei Back-to-Backs gegen Ottawa und Buffalo, ein Heimspiel gegen die defensivschwachen Sharks. Selbst bei einem bescheidenen Tor-Schnitt von 0,5 käme er auf weitere fünf bis sechs Treffer. Das würde Gretzkys Gesamtrekord Mitte April ins Kreuzfeier rücken – mitten in den Playoffs.

Warum gretzkys aura bröckelt

Warum gretzkys aura bröckelt

Gretzkys 894 regulären Saisontore galten Jahrzehnte als unerreichbar, weil niemand die 70-Tore-Saison reproduzieren konnte. Ovechkin tut es anders: keine 150-Punkte-Dominanz, aber konstante 45-Tore-Kampagnen über 18 Jahre. Sein Geheimnis: die versteckte Slot-Position, der Körper eingerahmt von Verteidigern, dann ein Handgelenksschuss mit 130 km/h, den kein Goalie sieht. In den letzten beiden Spielzeiten verfehlte er trotz reduzierter Eiszeit von 19:25 Minuten nur zweimal die 40-Marke.

Die NHL hat die Torhüter-Ausrüstung verkleinert, das Puck-Tracking verschärft – alles Karma für Gretzky, der selbst zugibt: „Ich habe in einer Ära gespielt, in der man noch 100 Schneidezähne im Maul hatte.“ Ovechkin profitiert von Präzisions-Schiesstraining, puckbasierter Analytics und – unterschwellig – von einem Cap-System, das Superstars bis 40 Jahre hält, statt sie zu traden.

Die kapitäne und die erbfolge

Die kapitäne und die erbfolge

In Washington trägt Ovechkin noch das C auf der Brust, trotz minus 18 Plus/Minus diese Saison. Trainer Spencer Carbury stellt ihn nicht vor Fragen, weil Franchise-Boss Dick Patrick weiß: Rekorde verkaufen Tickets, selbst wenn die Defensive leidet. Die Capitals haben ihren TV-Vertrag erst 2029 auslaufen, ein Ovechkin-Gretzky-Duell würde die Regionalquote um 38 Prozent nach oben schrauben – laut ESPN-Daten der letzten Saison.

Gretzky selbst twitterte nach dem 1000er: „Gratulation an einen wahren Schützen. Aber 16 Tore in elf Spielen? Das wird eng.“ Ironie inklusive, denn „The Great One“ weiß: Sollte Ovechkin vorzeitig scheitern, bliebe die Aura des Unantastbaren bestehen. Sollte der Russe aber mit 1017 vorbeiziehen, wäre Gretzkys letzter Bestand gestutzt – und die Debatte über die größte Karriere neu entfacht.

Die Uhr tickt. In zwei Wochen entscheidet sich, ob Ovechkin im Playoff-Format weiterschießt oder ob die Jagd auf 1016 in eine weitere Saison fällt. Die Liga plant bereits Promo-Spots, die Kamera ist montiert, die Red-Light-Cam wartet. Eines ist klar: Gretzkys Schatten schrumpft mit jedem Ovechkin-Schuss. Und der nächste geht am Donnerstag gegen die Red Wings – Puck-Drop 19.30 Uhr Ortszeit, Gretzky vermutlich vor der Glotze, Popcorn in der Hand.