Österreichs handball-asse wetzen in bregenz die klinge für polen-feud
Kein Testspielchen am grünen Tisch: In Bregenz geht’s für Österreich gegen Nordmazedonien um Selbstvertrauen, das in den Mai hineinreicht – und um die Frage, ob ein 23,9-jahre-junger Kader dem WM-Traum schon jetzt den nötigen Biss verleiht.
Romero lässt frimmel und miskovez zu hause, bringt drei frischlinge
Spanien-Import Iker Romero muss auf Sebastian Frimmel und Michael Miskovez verzichten, dafür rücken Clemens Möstl, Mats Rudnicki und Nico Sager ins Rampenlicht. Der Plan dahinter: Breite statt Star-Ökonomie. „Wir gehen rein, als wäre es ein Quali-Spiel“, sagt Romero – und meint damit, dass die Statistik gegen Nordmazedonien (3 Siege, 4 Niederlagen, 1 Remis) nur Makulatur ist, wenn das eigene Spiel nicht klickt.
Die letzten beiden Aufeinandertreffen? Ein 32:28 der ÖHB-Auswahl bei der Heim-EM 2020, ein 29:29 vor zwölf Monaten, bei dem der Ausgleich für Mazedonien mit der Sirene fiel. Beide Ergebnisse erinnern an zwei Wahrheiten: Erstens kann Österreich mit dem Balkan-Team mithalten, zweitens liegen zwischen Führung und Katastrophe oft nur Sekunden.

Polen wartet schon mit dem messer zwischen den zähnen
Während in Bregenz noch geprobt wird, hat Polen schon erste Blutspuren hinterlassen: 33:24 in Riga gegen Lettland. Für Mai ist fix: Wer zittert, fliegt. Das Heimspiel der zweiten Play-off-Runde steigt am 13. Mai um 18.00 Uhr im Raiffeisen Sportpark Graz – ein Datum, das in den Kalender jedes Nationalspielers bereits mit roten Buchstaben eingetragen ist. Denn der Sieger trägt nicht nur die WM-Karte nach Deutschland, er löst auch das Ticket für eine Generation, die sonst nur aus Erzählungen weiß, wie WM-Atme klingt.
Kiril Lazarov, der mazedonische Coach und ehemalige Torjäger, bereitet sein Team auf den Sieger aus Ukraine gegen Slowakei vor. Er und Romero verbindet mehr als nur die Vita als Weltklasse-Rechtsaußen: Beide haben als Spieler alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, und beide wissen, dass Trainer-Ruhm sich neu erfindet – oder bröckelt.
Die durchschnittliche Startformation der Österreicher liegt bei 23,9 Jahren. Das ist kein Bug, das ist ein Feature. Junge Beine, neue Impulse, dafür fehlende Play-off-Erfahrung. Die Frage lautet nicht mehr, ob das Team reif ist für eine WM-Teilnahme, sondern: Reift es schnell genug, bevor Polen anklopft?
Knackpunkt wird die Abwehr-Organisation sein. Ohne Frimel und Miskovez fehlt Routine zwischen den Pfosten. Wer den Ball nicht heraushaut, muss ihn herausnehmen – ein Satz, den Romero in den vergangenen Tagen öfter fallen ließ. Die Alternative: Tempo, Tempo, Tempo. Wenn die jungen Flügel Rudnicki und Sager ihre ersten A-Länderspiel-Minuten nutzen, um die Gegenseite in Umschaltmomenten zu überrennen, kann Nordmazedonien ins Straucheln geraten.
Nach dem Schlusspfiff in Bregenz wird nicht gefeiert, sondern gezählt: Wer hat sich empfohlen, wer hat Schwächen offengelegt, wer kann im Mai 90 Minuten lang Dampf machen? Die Antworten liefern keine Excel-Tabellen, sondern die Spieler selbst – mit jedem Wurf, mit jedem Sprint, mit jedem Schrei, der über die Feldbegrenzung kratzt.
Österreichs Handball-Zukunft spielt nicht irgendwann. Sie beginnt heute Abend um 18.30 Uhr in Bregenz. Und sie endet spätestens am 13. Mai in Graz – mit einem Ticket oder mit einem Abschied, der wehtut.
