Oslo-attacke: dsv schickt bayer für roth – podest-jagd mit scharfschützen
Stefan Horngacher zieht den Stecker. Ausgerechnet jetzt, wo die Saison nur noch drei Mal klingelt, verbannt der Bundestrainer Luca Roth aus dem Kader und schickt Ben Bayer ins Holmenkollen-Feuer. Die Botschaft: Wer zuletzt punktelos blieb, fliegt raus. Wer in der Provinz zweimal gewinnt, darf auf Norwegens heiliger Anlage um Edelmetall flügen.
Der wechsel – kalt, logisch, notwendig
21 Jahre, FIS-Cup-Doppelpack, keine Weltcup-Nerven. Bayer ist der Prototyp eines Horngacher-Zöglings: lernbereit, explosiv, unbelastet. Sein Debüt in Engelberg (Platz 38) war ein Aufwärmscheißen, doch das war Dezember. Jetzt ist März, die Luft ist dünner, die Konkurrenz müder. Roth bleibt zu Hause, schwerelos und arbeitslos.
Die Rote Liste der Reisenden liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Flugkunst: Raimund, Wellinger, Hoffmann, Paschke, Geiger – allesamt Springer, die schon mal Metall schmeckten. Horngacher will kein „vielleicht“, er will „ganz oben“. Seine Worte klingen wie ein Kampfbefehl: „Vom ersten Trainingssprung weg konzentriert und fokussiert.“ Kein Trainer-Blabla, sondern Arbeitsanweisung.

Raimund, der heimliche könig
Philipp Raimund spürt den Druck, liebt ihn. 51 Punkte hinter Tschofenig, viertel Gesamtweltcup, aber er spricht nicht vom vierten Platz – er spricht vom Podest. „Letztes Jahr konnte ich auf der Schanze gut performen“, sagt er und klingt dabei, als hätte er die Anlaufspur schon im Schlaf abgelaufen. Die Schanze in Oslo ist kein Brett, es ist ein Bekannter. Und Bekannte kann man überholen.
Samstag 16:40 Uhr, Sonntag 16:10 Uhr – zwei Flugzeiten, die über Silber oder Stein entscheiden. Für Horngacher die letzten Einsätze als Bundestrainer. Er will nicht mit einem Paukenschlag gehen, sondern mit zwei.

Frauen-team zieht nachschub aus dem continental-pool
Bei den Frauen läuft das gleiche Spiel. Emily Torazza ist leer, Julina Kreibich ist heiß. Kuttin erklärt die Trennung mit der kalten Prazision eines Statistikers: „Die Luft ist raus.“ Torazza kämpfte sich in den Intercontinental-Cup, gewann, schwitzte – und brennt nun aus. Kreibich bekommt ihren ersten Weltcup-Start seit November. Der Plan: Eine Saison klingt nicht aus, sie wird umgebucht.
Deutschland reist mit zwei Teams nach Oslo, doch es ist nur ein Ziel: Podest. Kein „vielleicht“, kein „sichern wir uns“. Horngacher und Kuttin haben die Klingen gewetzt. Jetzt müssen sie nur noch treffen.
