Olympia-aus für nordische kombination? der dsv bangt um die existenz seiner königsdisziplin
Die Nordische Kombination steht vor dem Aus. Nach 102 Jahren Olympia-Präsenz droht dem einstigen Flagschiff des deutschen Skisports das Ende – und damit einem ganzen Verband die Identitätskrise. Der Deutsche Skiverband (DSV) wartet auf die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die im Mai oder Juni fällt. Entweder die Frauen kommen dazu – oder die Sportart verschwindet komplett. Kein Zwischending, kein Aufschub.
Horst hüttel: „das ist eine existenzielle frage“
DSV-Sportdirektor Horst Hüttel spricht offen aus, was intern seit Monaten die Nerven strapaziert: „Wir hoffen sehr, dass diese für uns existenzielle Entscheidung positiv getroffen wird.“ Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Trotz neuer TV-Rekorde in Japan und 15 Weltcup-Wochenenden reicht das nicht, um IOC-Präsident Thomas Bach zu überzeugen. Die Nordische Kombination gilt als Sportart mit eingeschränkter globaler Reichweite – ein Todesurteil in Zeiten von Streaming-Quoten und TikTok-Generation.
Die deutschen Athleten lieferten in dieser Saison, was sie konnten. Nathalie Armbruster wurde Vierte im Gesamtweltcup, Julian Schmid Fünfter. Olympische Medaillen? Fehlanzeige. „Wir wollten da Medaillen gewinnen, es war der klar definierte Saisonhöhepunkt. Das ist uns leider nicht gelungen“, sagt Hüttel. Die Konsequenz: Ein Sommer voller Ungewissheit. Für Athleten, Trainer, Sponsoren – und für eine Sportart, die seit 1924 ununterbrochen Olympia-Geschichte schrieb.

Rydzeks abschied war ein symbol – nicht nur für sich selbst
Johannes Rydzek, Olympia-Sieger von 2018, beendete seine Karriere mit einer Aufholjagd in Oslo. „Flashbacks und Gänsehaut“, sagte er danach. Was er nicht sagte: Seine Sportart könnte mit ihm in Rente gehen. Die Bilder seiner Schwester Coletta, die ihm an der Sprungschanze zuwinkte, gingen viral. Emotionaler Abschied? Vielleicht. Aber auch ein Vorbote dessen, was kommen könnte: Ein Sport ohne Gesichter, ohne Geschichten, ohne Zukunft.
Der DSV hat bereits interne Notfallpläne aufgesetzt. Sponsoren wurden informiert, Strukturen angepasst, Mitarbeiter über mögliche Kündigungen informiert. Die nächsten Wochen entscheiden nicht nur über Olympia-Startplätze, sondern über Arbeitsplätze. Über das, was deutsche Skisportler seit Jahrzehnten verstehen unter „Königsdisziplin“. Und über die Frage, ob eine Sportart, die einst die Herzen riss, künftig nur noch in YouTube-Hörbüchern auftaucht.
Fakt ist: Ohne Olympia keine Förderung. Ohne Förderung keine Nachwuchsarbeit. Und ohne Nachwuchs keine Zukunft. Die Nordische Kombination steht am Abgrund – und der DSV hat nur noch zwei Monate, um das Fallen zu verhindern. Die Uhr tickt. Die Klinge schwingt. Und die Sportart, die einst die Könige der Alpen herausforderte, kämpft nun ums nackte Überleben.