Olympia kehrt zurück: mailand und cortina stehen bereit – aber ist italien wirklich bereit?

Olympia 2026: ein blick nach italien

Vor 70 Jahren erlebte Cortina d’Ampezzo bereits olympische Winterspiele. Nun kommt Mailand hinzu. Die Organisatoren hoffen, dass mit dem Start der Spiele ein Funke überspringt – ähnlich wie in Paris. Ob das gelingt, ist jedoch ungewiss. Die Vorbereitungen für Olympia 2026 sind in vollem Gange, und am Freitag beginnt in Mailand und Cortina d’Ampezzo der offizielle Start.

Ein zeitzeuge erinnert sich

Sascha Fromm Konrad Renzler ist einer der wenigen, der Cortina d’Ampezzo bereits 1956 erlebt hat. Damals, als die Olympischen Winterspiele zum ersten Mal in den italienischen Alpen stattfanden, war er 18 Jahre alt. Mit Freunden reiste er früh morgens im VW-Bus von seinem Heimatdorf Antholz an. Er sah, wie die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft mit 0:8 gegen die spätere Olympiasieger UdSSR verlor. Wegen fehlender finanzieller Mittel kehrte er direkt im Anschluss wieder zurück.

Doppelstadtpremiere: mailand und cortina

Doppelstadtpremiere: mailand und cortina

Am Freitag ist es wieder so weit: In Cortina, das sich von einem ruhigen Bergdorf zur “Königin der Dolomiten” mit entsprechend viel Prominenz entwickelt hat, werden erneut Winterspiele eröffnet. Es sind bereits die 25. Spiele, eine milliardenschwere Veranstaltung. Erstmals in der olympischen Geschichte gibt es mit Mailand, Italiens Mode- und Finanzmetropole, offiziell zwei Gastgeberstädte.

Wachsender umfang der spiele

Wachsender umfang der spiele

Aus 24 Wettbewerben im Jahr 1956 sind mittlerweile 116 geworden, und die Anzahl der teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler ist von 820 auf etwa 2.900 gestiegen. Die Austragungsorte sind weit über Norditalien verteilt, darunter Bormio, Livigno, Verona, das Val di Fiemme und eben Antholz, wo die Biathlon-Wettbewerbe stattfinden.

Kritische stimmen aus antholz

Kritische stimmen aus antholz

Renzler, heute 88 Jahre alt, lebt weiterhin in dem 3.000-Seelen-Ort. Eine Eintrittskarte für die Spiele hat er jedoch noch nicht erhalten. Er blickt inzwischen sehr kritisch auf die Spiele. Und er ist damit nicht allein in Italien. “Vor 70 Jahren war alles noch klein und gemütlich”, sagt er in der “Südtirol-Arena”. “Heute ist es fast nur noch Kommerz. Die Leute bekommen nie genug.”

Zwischen tradition und kommerzialisierung

Zwischen tradition und kommerzialisierung

Der ehemalige Bürgermeister betont, dass er die Vermarktung des Sportbetriebs nicht grundsätzlich ablehnt. Während seiner Amtszeit, zwischen 1969 und 1980, hat er selbst dazu beigetragen, dass Antholz zu einer der Top-Adressen für Biathlon wurde. Heute leben viele vom Tourismus. Dennoch kritisiert er die zunehmende Kommerzialisierung und den Verlust des ursprünglichen Geistes der Spiele.

Das ioc im fokus der kritik

Das ioc im fokus der kritik

“Aber die nächsten Wochen hat von uns keiner mehr etwas zu sagen, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) alles diktiert”, meint Renzler. Das alte Stadion vor den 3.000 Meter hohen Gipfeln der Riesenferner-Gruppe hätte seiner Meinung nach ohne großen Aufwand olympiareif gemacht werden können. Stattdessen wurde ein untertunnelter Betonpalast für 58 Millionen Euro mit bombastischer Flutlichtanlage errichtet. Ein künstlicher See wurde für die neue Beschneiungsanlage ausgehoben, obwohl Loipen und Schießstände in 1.600 Metern Höhe eigentlich schneesicher sind.

Nachhaltigkeit in frage gestellt

Nachhaltigkeit in frage gestellt

Die Vorsitzende von Südtirols Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Elisabeth Ladinser, kommentiert dies knapp: “Gott Mammon lässt grüßen.” Es gibt jedoch auch andere Stimmen. Gottfried Leitgeb freut sich beispielsweise auf die Spiele und trägt eine Skimütze mit den fünf olympischen Ringen. “Wir sind stolz darauf, auch wenn wir zwei Wochen lang nichts zu sagen haben werden. Olympia zuhause ist einmal im Leben.”

Erfahrungen aus der vergangenheit

Als abschreckendes Beispiel dienen viele Italiener die Spiele 2006 in Turin. Die eigens gebauten Schanzen für den Skisprung und die Bobbahn verfallen. Das olympische Dorf steht meist leer. Mailand und Cortina versprachen, für die “nachhaltigsten Spiele aller Zeiten” vor allem vorhandene Stätten zu nutzen, aber lange Wege und Neubauten widersprechen diesem Anspruch.

Kosten und erwartungen

Die offiziellen Kosten belaufen sich auf über 3,5 Milliarden Euro. Im Gegenzug werden nach einer Prognose der Universitäten Venedig und Mailand positive Auswirkungen von 5,3 Milliarden Euro erwartet. Es wird mit zwei Millionen Besuchern und drei Milliarden Zuschauern an den Bildschirmen gerechnet. Besonders umstritten war der Bau einer neuen Bob-, Rodel- und Skeletonbahn in Cortina für 120 Millionen Euro, entgegen der Empfehlung des IOC.

Hoffnung auf olympische stimmung

Für die Zukunft der Olympischen Winterspiele wäre es wichtig, dass sich eine olympische Stimmung wie früher entwickelt – ähnlich wie bei den Sommerspielen 2024 in Paris. Die Vorzeichen stehen gut, denn in den höheren Lagen der Region schneite es termingerecht ausgiebig. In Antholz, Cortina und dem verregneten Mailand ist die Begeisterung jedoch noch nicht allgegenwärtig.

JahrOrt
1924Chamonix (Frankreich)
1956Cortina d’Ampezzo (Italien)
2026Mailand & Cortina d’Ampezzo (Italien)